Schwarzweiße Tiere

Zebra (rechts) und ich (links)

Nach dem Beitrag von vergangener Woche mit den unbeliebten Tieren gab es eine überwältigende Zahl an Nachfragen, ob es nicht auch Fotos gebe, auf denen ich mit beliebten schwarz-weißen Tieren zu sehen bin. Hier sind sie.

Ein Kätzchen, na und?

Ich finde es interessant, wie viele Tiere in Schwarz-Weiß es gibt, neben den gezeigten z.B. Pinguine, Pandabären, Stinktiere, Orcas, die klassische Schwarzbunte Kuh… Ich erinnere mich an eine tolle Kampagnenidee, die Bernd Bücker mal hatte, damals Creative Director und mein Teamchef bei der cayenne Werbeagentur. Canon hatte die Agentur beauftragt, Point-of-Sale-Poster für Schwarzweiß-Drucker zu entwerfen. Diese Geräte hatten sich immer mehr zu Ladenhütern entwickelt, weil Laser-Farbdrucker auf dem Vormarsch waren. Seine Idee: Man zeigte kontrastreiche Schwarzweiß-Fotos von Tieren, deren Fell oder Federkleid nur in diesen beiden Farben gehalten war. Dazu der Spruch „Wozu Farbe?“. Weiter unten in klein der Name und ein Produktfoto des beworbenen Druckers. Ungefähr so wie hier:

Ich weiß nicht mehr, wie die Sache damals ausging, aber ich kann mir vorstellen, dass der Kunde mit den Bildern in dieser Art nicht einverstanden war, weil sie nur eine begrenzte Zahl von Graustufen zeigten und der Drucker mit Sicherheit zu einer „höheren Qualität“ in der Lage war. Eine andere Idee von mir für die Schwarzweiß-Drucker wurde tatsächlich umgesetzt. Hier die Story dazu.

Die Vögel

Irgendwie ist das gerade der Monat der Vögel für mich, und da passt es doch ganz gut, wenn ich noch mal ein Motiv zeige, dass ich mal für eine Ausstellung im Rahmen des Kölner Popdesign-Festivals gemacht habe. Meine Ausstellung hieß „POPulation“ und es ging um den interessanten Stadtteil Ehrenfeld, wo ich zu der Zeit wohnte und arbeitete. Prägend für diesen Stadtteil ist das Thema „Vielfalt“: Menschen aus über 140 unterschiedlichen Herkunftsländern, aller Schichten und Altersklassen kommen zusammen. (Die komplette Ausstellung ist hier dokumentiert.) Doch die Vielfalt zeigt sich auch an anderer Stelle. Bei dem gezeigten Motiv handelt es sich um ein Poster, das alle Vogelarten aufzählt, die auf dem Kölner Melatenfriedhof dauerhaft oder zeitweise leben. Ich wusste schon vorher, dass da einiges zusammenkommen würde, als ich aber vom Nabu die vollständige Liste erhielt, musste ich sogar meinen urspünglichen Entwurf verwerfen, weil das einfach nicht gepasst hätte. Meine Frau Aline kam auf die Idee mit der Silhouette, die dann auch schnell umgesetzt war.

Köln als Marke

Markenlogo der Stadt Köln

Ich hätte mal bei der Wuppertaler Werbeagentur Boros anfangen können. Hätte ich das getan, wäre ich möglicherweise auch an der Entwicklung des Markenlogos für die Stadt Köln beteiligt gewesen. War ich aber nicht. Dafür habe ich aber ungefähr zur selben Zeit eine Grafik für das Berlin-Institut gezeichnet. Und siehe da: der Job war fast der gleiche (nur unwesentlich schlechter bezahlt).

Tauben – Delfine der Lüfte

© Jörg Scholz

Heute ist Tag der Umwelt. Daher folgt ausnahmsweise ein Beitrag, der mit Tieren zu tun hat.

Die Überschrift ist der Name eines früheren Bühnenprogramms des wahnwitzigen bzw. wahnsinnig witzigen Komikers FiL. Normalerweise werden Tauben im Volksmund abwertend als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet, was klarmacht: Sie haben ein sehr schlechtes Image. Wie diese anderen unbeliebten Tiere: Ratten, Würmer, Spinnen, Mäuse, Wölfe, Quallen oder Haie. Aber auch Elstern. Sie gelten als „diebisch“, sie holen die Eier aus den Nestern von süßen anderen Vögeln, der Aberglaube meint gar, dass es sich um Todesboten handele. Ich war bisher ehrlich gesagt auch kein Fan dieser schwarz-weißen Rabenvögel. Ich bin eher so der Singvogel-Typ. Bis Ella in unser Leben trat bzw. flatterte. Dieser Vogel saß letzte Woche ganz unvermittelt auf unserem Terrassengeländer und sperrte den Schnabel weit auf, als er mich erblickte. Als dreifacher Vater erkannte ich gleich: Das ist ein Baby. Und es ist hungrig. Wir gaben ihr Katzenfutter. Seitdem besucht Ella uns regelmäßig. Alle in der Familie haben sie ins Herz geschlossen.

Was Ella gerade auf eigene Faust tut, wollte ich auch schon immer mal machen: Imagewerbung für unbeliebte Tiere. Ella die Elster macht das mit ihrem Charme, ich würde dafür z.B. 18/1-Plakate verwenden.

Vatertag

Alvas Vatertagsbild
Paulas Vatertagsbild

Das erste Bild hat meine 5-jährige, das zweite meine 13-jährige Tochter für mich gemalt. Beide haben das gleiche Thema: Wald. Ich schmelze dahin … An alle: bitte niemals sagen, dass wir irgendwann ohne das Medium Papier auskommen werden! Dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

„We are one“

„I am thankful for all the people I met in my life. We are different. And we are one. I don’t have to look like you to love you. You all are beautiful. We all are beautiful. Diversity is not something we should tolerate, diversity is something to celebrate.“ (Kamasi Washington)

Kamasi Washington ist Saxophonist aus Los Angeles und stand gestern mit seiner Band auf der Bühne des Kölner Gloria Theaters. Das Konzert war von der seltenen Art, wo der Funke von der Bühne unmittelbar aufs Publikum überspringt. Die sieben Instrumentalisten und die Sängerin Patrice Quinn entwickelten bei Ihrem Zusammenspiel eine tolle Energie und strahlten eine große Freude aus. Das fand ich sehr inspirierend. Könnte das nicht auch in anderen Bereichen funktionieren, in denen Menschen zusammenarbeiten, gerade in den kreativen Berufen? Jeder macht das, was er am besten kann, entsprechend seinem Talent, Wissen und Erfahrung. Wie im Bild oben, wo der Bassist Miles Mosley ein Bass-Solo spielt und die anderen Musiker sich ihm dabei wertschätzend zuwenden. Ein Gänsehautmoment.

Kamasi und ich

Armer Fisch!

© Tim Samuel

Dieses Foto von einer Qualle, die sich einen Fisch einverleibt hat, macht seit einiger Zeit die Runde im Internet. Dem australischen Fotografen Tim Samuel ist dieses spektakuläre Bild in der Byron Bay an der Ostküste Australiens geglückt. Jahre zuvor ist mir etwas ganz Ähnliches passiert:

© Canon

Ich arbeitete als „Art Supervisor“ bei der Werbeagentur cayenne in Düsseldorf. Wir waren als Kreativteam unter anderem für den Kamerahersteller Canon zuständig. Digitalkameras waren ein großes Thema und nun ging es um digitale Unterwasserfotografie. Canon hatte transparente Gehäuse für fast jedes seiner Kameramodelle entwickelt, die bis zu einer gewissen Tiefe wasserdicht waren. Sie sollten als Beileger in Fachzeitschriften beworben werden. Ich dachte mir zwei Dinge aus. Für die Titelseite haben wir einen Fisch in ein Unterwassergehäuse „eingesperrt“ (Bildbearbeitung: Stefan Kranefeld) und damit ohne Worte bereits alles gesagt, was zu sagen war. Im Innenteil der Broschüre gab es noch ein Poster mit verschiedenen tropischen Fischarten und dazwischen, als besonders exotische Meeresobjekte, die Unterwassergehäuse von Canon. Die Broschüren waren so erfolgreich, dass sie mehrmals nachgedruckt wurden.

Neue Deutschlandstudie

Das ist die Titelseite einer gerade erschienenen und von mir gestalteten Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Zur Entstehung dieses und anderer Studienlayouts hier ein ausführlicher Bericht.

Sketchnotes

Manchmal entdeckt man Dinge nicht im Internet, sondern auf die altmodische Art in der Stadtbücherei. So kam ich vor einiger Zeit zum Sketchnote Handbook von Mike Rohde, einem amerikanischen Designer (hier ein Kapitel aus dem Buch als PDF).

Für diejenigen, denen das Konzept der Sketchnotes noch nicht geläufig ist: Sketchnotes sind sowas wie visuelle Notizen, die man sich als Zuhörer/Zuschauer bei Vorträgen, Vorlesungen, Diskussionen usw. macht. Dabei fertigt man in seinem Notizbuch eine Mischung aus Stichpunkten, Zeichnungen, Piktogrammen und anderen Symbolen an und am Ende hat man eine Art Landkarte vom behandelten Thema. Das geht schneller, als sich reine Textnotizen zu machen, man fokussiert auf das Wesentliche und folgt dem Vortrag um so konzentrierter. Und es macht Spaß!

Ich glaube, Sketchnotes anzufertigen kommt der natürlichen Art, wie ein Mensch lernt, sehr nah. Dabei benutzt man nämlich nicht nur den Teil des Gehirns, der für alles rund um unsere Sprache zuständig ist, sondern auch den Bereich, der die Informationen visuell verarbeitet. Dinge, die man visuell im Gedächtnis abspeichert, kann man viel leichter wieder abrufen (das ist jetzt zugegebenermaßen etwas laienhaft ausgedrückt). Ich finde, dass diese Form der Mitschriften in Schulen gelehrt werden sollte und Schüler (und ihre Lehrer!) davon sehr profitieren würden. Aber nicht nur zum Aufzeichnen der Gedanken von anderen sind Sketchnotes geeignet, auch der eigene Denkprozess kann dadurch eine ganz neue Dynamik entfalten.

Ich bin nicht so der begnadete Sketchnoter, aber ich habe einmal das Experiment gemacht und einen Vortrag von Prof. Ingo Froböse besucht, den ich als Sketchnote aufgezeichnet habe:

Das hat wirklich richtig Spaß gemacht und ich konnte anschließend allein durch das Betrachten der Sketchnotes quasi den gesamten Vortrag rekapitulieren. Bei den besseren Sketchnotern sieht das Gesamtwerk viel homogener aus als bei mir (hier fehlt so ein bisschen der rote Faden). Schönere Beispiele von Sketchnotes findet ihr zum Beispiel bei Eva-Lotta Lamm. Es lohnt sich, das einfach mal auszuprobieren. Funktioniert auch bei Vorträgen, die ihr euch im Internet anschaut (z.B. bei TED).

Bienvenue à Malmedy

Kühe auf einer Weide
© Jörg Scholz 2019

Noch mal zum Thema Gassigehen. Über Ostern waren wir für ein paar Tage in den Ardennen. Das hübsche 12.000-Einwohner-Städtchen Malmedy liegt kurz hinter der deutsch-belgischen Grenze, 120 Kilometer von Köln entfernt. Normalerweise erschreckt sich unsere Hündin vor jeder Fliege, die ihren Weg kreuzt. Beim Spaziergang zwischen Kuhweiden erinnerte sich Nüssi plötzlich daran, dass sie vom Wolf abstammt, riss sich los und trieb bellend 14 Kühe über die Wiese, die kurz zuvor neugierig zu uns an den Zaun gekommen waren. Mir war das peinlich und ich war froh, dass der Bauer nicht in der Nähe war. Um das Erlebnis zu verarbeiten, habe ich die folgende Zeichnung angefertig.

© Jörg Scholz 2019