Jahrzehnt voll

Mein Jahresweiser 2010 bis 2019

Habe ich tatsächlich 3.652 mal mit einem Bleistift eine Kurzfassung meines Vortages in dieses Buch geschrieben? Auch wenn ich mir das gerade kaum vorstellen kann, war es offensichtlich so, denn seit dem 31. Dezember 2019 ist das Buch voll. Einige wesentliche Dinge in meinem Leben sind vorher passiert (Geburt von Paula und Cordt, Heirat, Hausbau, Geschäftsgründung …), einige aber auch mittendrin (Geburt von Alva, Tod meines Vaters). Es ist weder ein richtiges Tagebuch noch ein richtiger Kalender, eben ein Jahresweiser, was immer das bedeuten mag. Manchmal habe ich tatsächlich nachgelesen, was zum gleichen Datum in den Jahren zuvor passiert war und dann wurden diese Dinge wieder sehr lebendig. Der Jahresweiser hilft dem Gedächtnis gewissermaßen auf die Sprünge. Das können natürlich Fotos auch, aber es ist ja nicht immer angebracht, zu fotografieren (z.B. bei einer Beerdigung). Außerdem wissen die Fotos nicht, wie es im Innern aussieht. Ein bisschen war ich erleichtert, als das Buch endlich voll war, denn es ist auch eine Last, jeden Morgen etwas dort hineinschreiben zu MÜSSEN. Nein, es kann einen natürlich keiner dazu zwingen, aber ich hätte sonst das Gefühl gehabt, etwas Wichtiges unterlassen zu haben. Die ersten Tage im Januar 2020 begannen genau mit diesem Gefühl, dann ließ es nach und so ab 9. Januar fühlte ich mich ungewohnt frei ohne diesen grauen Klotz am Bein. Doch dann, am 10. Januar, ein Geburtstagsgeschenk: der Jahresweiser 2020–2029! Jetzt muss ich die ersten Tage des neuen Jahrzehnts nachtragen, und das ist gar nicht so einfach. Ich habe mir vorgenommen, weniger detailliert zu schreiben und mehr zu zeichnen, denn das macht mehr Spaß. Und nun freue ich mich doch über den neuen grauen Klotz.