Beim Barte des Geißbocks!

Wenn man nicht nur Fan des 1. FC Köln ist, sondern auch nur einen Steinwurf vom Stadion entfernt wohnt, kommt man um manche Themen nicht herum. Ganz aktuell ist es (neben dem neuen Trainer, den neu verpflichteten Spielern und der Wiedereinführung von Bierbechern mit Pfand) das Thema Hennes, lebendiges Maskottchen des Vereins. Anfang August ist der vorherige Amtsinhaber Hennes VIII. wegen gesundheitlicher Probleme in den Ruhestand gegangen. Er war ein Publikumsliebling. Jeden, ob Freund oder Gegner, hat er mit seinem Lächeln verzaubert. War er vielleicht zu lieb? Denn erfolgreich war er während der 11 Jahre in Diensten des Effzeh nicht. Einzig erwähnenswert war die Europaleague-Teilnahme in der Saison 2017/18. Doch gleich danach folgte der Abstieg, der zweite mit Hennes VIII. Erfolgloser war nur Hennes VII., der gleich viermal den Abstieg aus der 1. Bundesliga miterleben musste. Um zu analysieren, warum manche Hennes’ erfolgreicher waren als andere, habe ich diese Infografik erstellt. Ein bisschen aus der Reihe tanzt Hennes II., der sehr kindlich daherkommt. Dieser Hennes war auch der mit dem tragischsten Ende: Er wurde von einem Schäferhund zu Tode gebissen (und nicht von Fans von Borussia Mönchengladbach vergiftet, wie damals gerüchteweise vermutet wurde). Alle anderen Hennes’ sehen sich auf den ersten Blick sehr ähnlich. Was bei genauerer Betrachtung jedoch auffällt: alle Loser-Hennes’ haben so gut wie keinen Bart. Insofern haben die FC-Verantwortlichen alles richtig gemacht, indem sie den Geißbock mit dem längsten Bart aller Zeiten verpflichteten. Ich habe ihn mir gestern im Kölner Zoo angeschaut, wo er außerhalb seiner dienstlichen Verpflichtungen seine Zeit verbringt. Er sieht, ehrlich gesagt, nicht annähernd so sympathisch aus wie sein Vorgänger. Er hat einen relativ kleinen Kopf, den erwähnten langen Bart und sehr lange Hörner. Sein erster Einsatz ist heute Abend beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund (er selbst wurde übrigens auch in Westfalen geboren). Dann wird sich zeigen ob der Bart hält, was er verspricht. Come on, Hennes IX.! 

Veggie Day

Neulich besuchte ich mit meiner sechsjährigen Tochter, die sich sehr für Pferde interessiert, den Pferdestall in unserer Nähe. Sie hatte ein paar Möhren dabei, um die Tiere zu füttern. Sie fragte die Besitzerin eines Pferdes mit einem männlichen Pferdenamen (das Pferd, nicht die Besitzerin!) um Erlaubnis, ihm eine Möhre anzubieten. Sie durfte, hatte allerdings großen Respekt vor dem gigantischen Tier. Der Hengst war in meinen Laien-Augen ein besonders groß geratenes Exemplar. Er nahm dann ganz vorsichtig nur mit seinen Lippen (heißt bei Pferden bestimmt anders) die Möhre aus der Hand des kleinen Mädchens. Die Besitzerin erklärte meiner Tochter, dass Pferde ja immer nur Pflanzennahrung fressen. Dieser Koloss von mehr als einer halben Tonne hatte sein Körpergewicht also allein durch vegetarische Nahrung aufgebaut! Das gleiche gilt für Gorillas, die ja auch mehrere hundert Kilo erreichen können: reine Pflanzenfresser! Und so habe ich mir gedacht, das wäre doch eine 1a-Kampagne für vegetarische Ernährung (siehe Zeichnungen, links ist ein Gorilla, rechts ein Pferd). Man sieht das prachtvolle, muskulöse Tier wie es gerade etwas tut, für das man wirklich viel Kraft braucht. Dazu die Headline. Fertig. Keiner wird jemals mehr Fleisch essen.

Mondlandung

© Jörg Scholz 2019

Am kommenden Sonntag ist es 50 Jahre her, dass zum ersten Mal ein Mensch den Mond betreten hat. Saß ich damals auch am Fernseher? Mit einem halben Jahr? Wurde das überhaupt live übertragen? Ich muss mal meine Mutter fragen (links im Bild).

Anleitung für Oma

Ich habe meine 90-jährige Mutter überredet, sich noch mal ein halbwegs aktuelles Smartphone zuzulegen, um so besser mit ihren Kindern und Enkeln kommunizieren zu können. Ich hatte ursprünglich keine Bedenken, dass sie damit zurecht kommt, zumindest was die wichtigsten Funktionen angeht. Sie selbst sieht das anders und hat sich von überall die Bestätigung geholt, dass ein IPhone für eine Seniorin nicht das Richtige ist. Das hat meinen Ehrgeiz zusätzlich angestachelt und meine Tochter (14) und ich haben uns vorgenommen, dass wir Oma das schon beibringen mit der modernen Kommunikation. Man stellt dann relativ schnell fest, dass Dinge, die für unsere Generation selbstverständlich sind (und für die jüngeren Generationen erst recht) für ältere Menschen eine scheinbar unüberwindbare Hürde darstellen. Meine Tochter hat versucht, sich in die Lage eines Senioren hineinzuversetzen und dann für ihre Oma eine IPhone-Anleitung angefertigt. Mal sehen, wie meine Mutter darauf reagiert … In meinen Augen ist das Ergebnis jedenfalls sehr gelungen.

Happy Birthday, altes Gerät!

Mein Modell 849

Bis gestern dachte ich, ich würde mit meinem Kugelschreiber der Marke Caran d’Ache, Modell 849, deswegen so gerne schreiben und zeichnen weil er so gut in der Hand liegt, schön aussieht, saubere Linien produziert, leichtgängig ist und seine Mine niemals zu versiegen scheint. Nun weiß ich, was uns darüber hinaus verbindet: Wir sind beide gleich alt. Und wir beide funktionieren seit vielen Jahren erstaunlich gut und zuverlässig. Allerdings: er ist grau, ich noch nicht. Lass uns auch in Zukunft zusammenarbeiten und noch viele schöne, lustige, interessante Dinge notieren, scribbeln, kritzeln, Modell 849!

P.S.: Viele Menschen und Dinge, die mir etwas bedeuten, werden in diesem Jahr 50. Darüber zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

Auflösung der Preisfrage aus dem letzten Beitrag: Das Licht im zweiten Foto passt überhaupt nicht zur Aussage. Es sieht kalt aus. Das Foto habe ich am Morgen gemacht, als die Sonne noch auf der anderen Seite des Hauses stand.

The Big Draw

Ich sage es ja immer wieder: Zeichnen ist eine sinnvolle, praktische, nützliche, befriedigende, wohltuende Tätigkeit. Die Fähigkeit zu zeichnen kann man lernen und sollte daher unbedingt an Schulen gelehrt werden (zusätzlich zu den sonst eher kopflastigen Lernfächern). Gerade noch rechtzeitig, bevor ich selbst einen entsprechenden Feldzug starten konnte, erfuhr ich von „The Big Draw“, einem weltweiten Festival, das das Zeichnen feiert. Seinen Ursprung hat es, wie so viele andere coole Dinge, in England. Ich zitiere:

The Big Draw wurde im Jahr 2000 gegründet und ist eine gemeinnützige Organisation für Kunsterziehung, die die visuelle Kompetenz und die universelle Zeichensprache als Werkzeug für Lernen, Ausdruck und Erfindung fördert. (…) Die Organisation unterstützt Künstler durch den John Ruskin-Preis und eine dazugehörige Ausstellung. Regelmäßige Veranstaltungen, Auszeichnungen und Wettbewerbe schaffen Plattformen für jeden, der zeichnen möchte. The Big Draw begleitet das ganze Jahr über Forschungsprojekte, Kampagnen und Bildungskonferenzen zu den Themen „visuelle Alphabetisierung“, „digitale Technologie“ und das „STEAM-Konzept“. Durch die Zusammenarbeit mit Kultur- und Bildungsorganisationen, politischen Entscheidungsträgern und Unternehmen zeigt The Big Draw die sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Vorteile auf, die das Zeichnen mit sich bringen kann, und bietet jedem die Möglichkeit, darauf zuzugreifen.

In diesem Jahr ist das Motto „Creativity and Wellbeing“. Das gefällt mir besonders gut, denn den Zusammenhang zwischen Kreativität und Wohlbefinden kann ich zu 100 Prozent bestätigen. Die Veranstaltungen finden das ganze Jahr über statt, das Hauptfestival ist vom 1. bis zum 31. Oktober. Leider scheint sich das Programm hauptsächlich auf England zu beschränken, mit ein paar Ausreißern in den USA, Prag, Norwegen und Griechenland. Aber was nicht ist, kann ja noch werden! Vielleicht (hoffentlich!) breitet sich die Idee noch weiter aus, zum Beispiel in Deutschland. Hier noch mal der Link zur Festival-Website: www.thebigdraw.org.

Yesterday at Apple

© Jörg Scholz

Gestern habe ich zusammen mit meiner 14-jährigen Tochter zwei der „Today at Apple“-Workshops im Kölner Apple Store besucht. Erst „Procreate-Grundlagen“, dann „Baumhäuser zeichnen“. Die beiden Mitarbeiter namens Flo und Chris waren freundlich und locker, wie es nunmal bei Apple üblich ist, die Atmosphäre im Apple Store laut, aber angenehm und die Klimaanlage gefiel mir bei der Hitze auch ziemlich gut. Wir beide waren die einzigen Teilnehmer, was vielleicht der Uhrzeit und den hochsommerlichen Temperaturen geschuldet war. Aber so konnten die Workshopleiter ganz individuell auf uns eingehen. Natürlich kann man in der kurzen Zeit nicht in die Tiefe gehen, trotzdem war die Erfahrung sehr intensiv.

Der Baumhaus-Workshop wurde zusammen mit dem Architekturbüro Foster + Partners entwickelt, das unter anderem die Apple-Stores konzipiert. In einem Einspielvideo erzählt Narinder Sagoo, Senior Partner und Art Director bei Foster + Partners, etwas zum Thema Zeichnen, über die Verbindung des Zeichners/Gestalters zur Natur und betont den Auftrag von Architekten und Designern, mit ihrer Arbeit den Menschen Gutes zu tun. Und natürlich ging es auch um das Entwerfen von Baumhäusern und wie er selbst dabei vorgeht. Was er sagt und wie er es sagt, das fand ich sehr inspirierend. Hier ein Interview mit ihm über das Zeichnen an sich und darüber, wie er bereits morgens in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit sein iPhone (und seinen Daumen!) benutzt, um sich mit Porträts der anderen Reisenden „warmzuzeichnen“.

Wir selbst sollten auch ein Baumhaus entwerfen und es mit der App „Procreate“ am IPad zeichnen, wofür wir ca. 45 Minuten Zeit hatten. Davon war ich leicht überfordert. Das zeichnerische Ergebnis ist dann auch nicht besonders gut geworden, aber der Workshop hat Spaß gemacht und meine Tochter und mich auf neue Ideen gebracht.

Sketchnotes

Manchmal entdeckt man Dinge nicht im Internet, sondern auf die altmodische Art in der Stadtbücherei. So kam ich vor einiger Zeit zum Sketchnote Handbook von Mike Rohde, einem amerikanischen Designer (hier ein Kapitel aus dem Buch als PDF).

Für diejenigen, denen das Konzept der Sketchnotes noch nicht geläufig ist: Sketchnotes sind sowas wie visuelle Notizen, die man sich als Zuhörer/Zuschauer bei Vorträgen, Vorlesungen, Diskussionen usw. macht. Dabei fertigt man in seinem Notizbuch eine Mischung aus Stichpunkten, Zeichnungen, Piktogrammen und anderen Symbolen an und am Ende hat man eine Art Landkarte vom behandelten Thema. Das geht schneller, als sich reine Textnotizen zu machen, man fokussiert auf das Wesentliche und folgt dem Vortrag um so konzentrierter. Und es macht Spaß!

Ich glaube, Sketchnotes anzufertigen kommt der natürlichen Art, wie ein Mensch lernt, sehr nah. Dabei benutzt man nämlich nicht nur den Teil des Gehirns, der für alles rund um unsere Sprache zuständig ist, sondern auch den Bereich, der die Informationen visuell verarbeitet. Dinge, die man visuell im Gedächtnis abspeichert, kann man viel leichter wieder abrufen (das ist jetzt zugegebenermaßen etwas laienhaft ausgedrückt). Ich finde, dass diese Form der Mitschriften in Schulen gelehrt werden sollte und Schüler (und ihre Lehrer!) davon sehr profitieren würden. Aber nicht nur zum Aufzeichnen der Gedanken von anderen sind Sketchnotes geeignet, auch der eigene Denkprozess kann dadurch eine ganz neue Dynamik entfalten.

Ich bin nicht so der begnadete Sketchnoter, aber ich habe einmal das Experiment gemacht und einen Vortrag von Prof. Ingo Froböse besucht, den ich als Sketchnote aufgezeichnet habe:

Das hat wirklich richtig Spaß gemacht und ich konnte anschließend allein durch das Betrachten der Sketchnotes quasi den gesamten Vortrag rekapitulieren. Bei den besseren Sketchnotern sieht das Gesamtwerk viel homogener aus als bei mir (hier fehlt so ein bisschen der rote Faden). Schönere Beispiele von Sketchnotes findet ihr zum Beispiel bei Eva-Lotta Lamm. Es lohnt sich, das einfach mal auszuprobieren. Funktioniert auch bei Vorträgen, die ihr euch im Internet anschaut (z.B. bei TED).

Bienvenue à Malmedy

Kühe auf einer Weide
© Jörg Scholz 2019

Noch mal zum Thema Gassigehen. Über Ostern waren wir für ein paar Tage in den Ardennen. Das hübsche 12.000-Einwohner-Städtchen Malmedy liegt kurz hinter der deutsch-belgischen Grenze, 120 Kilometer von Köln entfernt. Normalerweise erschreckt sich unsere Hündin vor jeder Fliege, die ihren Weg kreuzt. Beim Spaziergang zwischen Kuhweiden erinnerte sich Nüssi plötzlich daran, dass sie vom Wolf abstammt, riss sich los und trieb bellend 14 Kühe über die Wiese, die kurz zuvor neugierig zu uns an den Zaun gekommen waren. Mir war das peinlich und ich war froh, dass der Bauer nicht in der Nähe war. Um das Erlebnis zu verarbeiten, habe ich die folgende Zeichnung angefertig.

© Jörg Scholz 2019