Kastanien

Beim Kastaniensammeln mit meinen Kindern habe ich festgestellt, dass ich immer noch die gleiche Faszination für Kastanien habe wie zu Grundschulzeiten. Damals hatten wir einen riesigen alten Kastanienbaum auf unserem Schulhof und wenn die Zeit soweit war, haben wir uns abends dort getroffen und mit Stöcken die Kastanien vom Baum geworfen. Das hat vor allem großen Spaß gemacht, nebenbei unseren Wurfarm trainiert (wovon ich bei den Bundesjugendspielen profitierte) und uns kiloweise wunderschöne Kastanien beschert. Die haben wir dann teilweise verbastelt und den Rest in den Tierpark gebracht. Oder wir haben sie in der Plastiktüte vergessen und sie sind verschimmelt. Wenn sie noch ganz frisch waren, mit einer glatten und glänzenden Oberfläche, waren sie für mich wie kostbare Edelsteine und wunderschöne Handschmeichler. Leider hielt der Glanz nicht sehr lange an, so nach 2 bis 3 Tagen wurden die Kastanien hart, matt und schrumpelig. Und in dem Moment haben sie mich nicht mehr interessiert. Als hätten sie ihre Seele verloren. 

Vor Jahren hatten wir für Canon-Drucker im Rahmen einer Anzeigenkampagne ein Motiv mit einem Kastanientier. Ich habe vergessen, was die Botschaft der Anzeige war, aber ich weiß noch, dass das Tier nicht aus echten Kastanien gebaut wurde, sondern von einem Modellbauer modelliert und lackiert. So hatte man einerseits die Gewissheit, dass der Glanz der Kastanien erhalten bleiben würde und außerdem konnte man das Modell größer bauen, was gewisse technische bzw. optische Vorteile für das Fotoshooting hatte.

Noch eine Geschichte zum Thema Marketing und Kastanien: Seit über 80 Jahren findet bei Haribo eine Kastanientauschaktion statt. Das hat sich damals Harald Riegel in Bonn höchstpersönlich ausgedacht. Dabei kann man gesammelte Kastanien (und Eicheln) im Verhältnis 10:1 in der Haribo-Fabrik gegen Gummibärchen und ähnliche Produkte eintauschen. Haribo verteilt die Waldfrüchte dann weiter an Tierparks. Wir haben das mal gemacht, natürlich(!) den Kindern und Tieren zuliebe. Tagelang hatten wir Kastanien gesammelt, uns dann stundenlang in eine mehrere hundert Meter lange Schlange eingereiht und am Ende drei Tüten Colafläschchen und Color-Rado erhalten. Die haben wir dann im Haribo-Werksverkauf um ein paar weitere Lakritz- und Gelatine-Süßigkeiten ergänzt. Wenn man schon mal da ist.

(R)einer geht, eine kommt

© Jörg Scholz 2019

Der Mensch, mit dem ich in meinem Leben am längsten zusammengearbeitet habe, wurde in dieser Woche in den Ruhestand verabschiedet. Direktor Reiner Klingholz verlässt nach 16 Jahren das Berlin-Institut. Bei der Abschiedsfeier gestern Abend in Berlin hatte ich die Ehre, dabeizusein. Unter dem Motto „(R)einer geht, eine kommt“ (denn es gibt eine Nachfolgerin) gab es ein offizielles Programm mit interessanten Vorträgen unter anderem von Ex-Minister Franz Müntefering. Auch eine Festschrift wurde veröffentlicht, von der ich nicht nur das Layout fabriziert habe, sondern in der ich auch mit einem Beitrag vertreten bin. Die ganze Festschrift zum Download auf der Seite des Berlin-Instituts.

Ich wurde gestern immer wieder gefragt, wie es überhaupt zu der Zusammenarbeit zwischen dem Berlin-Institut und mir kam. Das war so: Als ich mich im Jahr 2003 nach vielen Jahren in der Werbung selbstständig machte, war ich auf der Suche nach interessanten Kunden. Besonders interessant fand ich jene, die sich mit den Themen Nachhaltigkeit, Natur oder hochwertige Lebensmittel beschäftigten. Und wie das manchmal so ist, stieß ich auf ein Projekt, bei dem all das zusammenkam: In der GEO gab es einen Aufruf zur Mitarbeit an einem Projekt zum Thema „Vermarktung von Wildkaffee aus Äthiopien“. Ich meldete mich bei GEO, GEO meldete sich bei mir. Am Telefon war der Initiator des Projekts, Reiner Klingholz. Wir trafen uns in Hamburg und Reiner erzählte mir von diesem und anderen seiner unzähligen Projekte. Ich versprach ihm, mir Anzeigen für „GEO schützt den Regenwald“ auszudenken, was ich in den Wochen danach auch tat – ohne meine Arbeit zu berechnen. Die Anzeigen kamen gut an und wurden veröffentlicht. Kurz danach begann Reiner seinen neuen Job als Direktor des Berlin-Instituts. Und ich erhielt den ersten, harmlosen Auftrag, ein neues Logo zu entwickeln. Dann kam der Rest des Corporate Designs (das nahezu unverändert bis heute Bestand hat). Dann das Layout von „Deutschland 2020“. Diese Studie schlug ein wie eine Bombe, das Berlin-Institut wurde schlagartig berühmt. Und so erhielt ich über all die Jahre immer wieder neue Aufträge. Die Zusammenarbeit mit Reiner und seinem häufig wechselnden Team klappte trotz der räumlichen Distanz sehr gut. Aber es war auch schön, gestern mal wieder den „echten“ Menschen gegenüberzustehen.

An dieser Stelle möchte ich noch mal meinen Dank für die tolle Zusammenarbeit ausdrücken. Es hat Spaß gemacht, ich habe viel gelernt und sogar ein klitzekleines Bisschen dazu beigetragen, dass sich die Dinge in Deutschland und dem Rest der Welt zum Positiven verändern. Was will man mehr?

Don‘t show esels!

Gestern waren wir mit Heidi und Gilberte unterwegs, zwei Eseln. Wer schon mal mit Eseln unterwegs war weiß, dass man ein bisschen Zeit dafür mitbringen sollte …

Vor Jahren war ich beruflich in Marrakesch. Ich war als Artdirector mit einem Filmteam unterwegs, um TV-Spots für unsere Marokko-Reisekampagne zu drehen. Wir hatten verschiedene Drehorte, diesmal waren die Souks in der Altstadt von Marrakesch an der Reihe. Dort läuft alles seit Jahrhunderten genau gleich ab, die gleichen Handwerker, die gleichen Kaufleute, die gleichen Wege, die von den Menschen zurückgelegt werden. Die Aufregung war also groß, als wir für eine Szene eine Gasse sperren mussten und die Bewohner einen Umweg von einer Gasse in Kauf nehmen mussten. Ein weiteres Hindernis war der Anspruch des anwesenden Vertreters des marokkanischen Tourismusministeriums, sein Land so modern wie möglich zu präsentieren. Das war in dieser mehr als traditionellen Umgebung schwierig bis unmöglich bzw. widersprach unserem Ziel, das Land möglichst pittoresk darzustellen. Uns gefielen z.B. die Eselskarren, die dort immer noch ein gebräuchliches Fortbewegungsmittel sind. Monsieur Jorio wies uns jedoch an: „Don‘t show Esels!“ (eigentlich sprach er sehr gut Englisch und Deutsch, er war aber ein bisschen aufgeregt). Der Spot wurde trotzdem schön. Und überhaupt: die ganze Produktion war sehr spannend in diesem nahen und doch sehr fremden Land.

Neues Logo – neues Glück?

Rheinenergie-Logo, alt und neu

Ich verspreche: Dies ist das erste und einzige Mal, dass ich mich öffentlich kritisch über ein Firmenlogo äußern werde. Ich mache das nur, weil ich mich über 10 Jahre lang über das bisherige Rheinenergie-Logo gewundert habe, das so seltsam unprofessionell und unharmonisch daherkam. 

Meinen ersten Kontakt mit dem neuen Logo (Agentur: Meiré und Meiré) hatte ich als Kunde des Unternehmens, als ich in der vergangenen Woche meine Wasserrechnung aus dem Umschlag nahm. Und daher war mein erster Eindruck auch noch relativ unbefangen. Leider muss ich sagen, dass dieser erste Eindruck kein guter war. Ein Ring ist nach menschlicher Erfahrung ein harmonisches, in sich abgeschlossenes Objekt. Wenn da nun etwas fehlt, kommt es einem erstmal unvollständig vor. Meine erste Assoziation: Klar, die Energie geht langsam dem Ende zu, die fossilen Energieträger sind fast aufgebraucht. Das ergibt Sinn, war aber mit Sicherheit nicht die Intention des Unternehmens. 

Was ich von einem Logo erwarte: dass es einfach ist. Dass es sich von anderen Logos unterscheidet. Und dass es eben keine Assoziationen weckt, die nicht beabsichtigt sind. Wenn es dann noch gestalterisch und handwerklich sauber gearbeitet ist: 99 von 100 Punkten. Den letzten Punkt vergebe ich, wenn das Logo von sich aus etwas über das Unternehmen oder das Produkt erzählen kann. Meistens ist das aber zu viel verlangt und auch gar nicht nötig. Wofür könnte die Silhouette eines angebissenen Apfels stehen? Für einen Obsthändler? Bei Namen ist es ähnlich. Mit Bedeutung kann ein Name oder ein Logo durch das, was danach kommt, gefüllt werden: Kampagnen, Geschichten, eigene Erfahrungen.

Schwarzweiße Tiere

Zebra (rechts) und ich (links)

Nach dem Beitrag von vergangener Woche mit den unbeliebten Tieren gab es eine überwältigende Zahl an Nachfragen, ob es nicht auch Fotos gebe, auf denen ich mit beliebten schwarz-weißen Tieren zu sehen bin. Hier sind sie.

Ein Kätzchen, na und?

Ich finde es interessant, wie viele Tiere in Schwarz-Weiß es gibt, neben den gezeigten z.B. Pinguine, Pandabären, Stinktiere, Orcas, die klassische Schwarzbunte Kuh… Ich erinnere mich an eine tolle Kampagnenidee, die Bernd Bücker mal hatte, damals Creative Director und mein Teamchef bei der cayenne Werbeagentur. Canon hatte die Agentur beauftragt, Point-of-Sale-Poster für Schwarzweiß-Drucker zu entwerfen. Diese Geräte hatten sich immer mehr zu Ladenhütern entwickelt, weil Laser-Farbdrucker auf dem Vormarsch waren. Seine Idee: Man zeigte kontrastreiche Schwarzweiß-Fotos von Tieren, deren Fell oder Federkleid nur in diesen beiden Farben gehalten war. Dazu der Spruch „Wozu Farbe?“. Weiter unten in klein der Name und ein Produktfoto des beworbenen Druckers. Ungefähr so wie hier:

Ich weiß nicht mehr, wie die Sache damals ausging, aber ich kann mir vorstellen, dass der Kunde mit den Bildern in dieser Art nicht einverstanden war, weil sie nur eine begrenzte Zahl von Graustufen zeigten und der Drucker mit Sicherheit zu einer „höheren Qualität“ in der Lage war. Eine andere Idee von mir für die Schwarzweiß-Drucker wurde tatsächlich umgesetzt. Hier die Story dazu.

Armer Fisch!

© Tim Samuel

Dieses Foto von einer Qualle, die sich einen Fisch einverleibt hat, macht seit einiger Zeit die Runde im Internet. Dem australischen Fotografen Tim Samuel ist dieses spektakuläre Bild in der Byron Bay an der Ostküste Australiens geglückt. Jahre zuvor ist mir etwas ganz Ähnliches passiert:

© Canon

Ich arbeitete als „Art Supervisor“ bei der Werbeagentur cayenne in Düsseldorf. Wir waren als Kreativteam unter anderem für den Kamerahersteller Canon zuständig. Digitalkameras waren ein großes Thema und nun ging es um digitale Unterwasserfotografie. Canon hatte transparente Gehäuse für fast jedes seiner Kameramodelle entwickelt, die bis zu einer gewissen Tiefe wasserdicht waren. Sie sollten als Beileger in Fachzeitschriften beworben werden. Ich dachte mir zwei Dinge aus. Für die Titelseite haben wir einen Fisch in ein Unterwassergehäuse „eingesperrt“ (Bildbearbeitung: Stefan Kranefeld) und damit ohne Worte bereits alles gesagt, was zu sagen war. Im Innenteil der Broschüre gab es noch ein Poster mit verschiedenen tropischen Fischarten und dazwischen, als besonders exotische Meeresobjekte, die Unterwassergehäuse von Canon. Die Broschüren waren so erfolgreich, dass sie mehrmals nachgedruckt wurden.

Neue Deutschlandstudie

Das ist die Titelseite einer gerade erschienenen und von mir gestalteten Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Zur Entstehung dieses und anderer Studienlayouts hier ein ausführlicher Bericht.