1969

Über die erste Mondlandung, die Sesamstraße und den Kugelschreiber Modell 849 habe ich ja schon in diesem Blog geschrieben. Heute, kurz vor Jahresende, will ich noch schnell die anderen prominenten Personen und Dinge würdigen, die in diesem Jahr 50 wurden. Michael Schumacher, Steffi Graf, Oliver Kahn, Markus Lanz, Jennifer Aniston, Marilyn Manson und MC Solaar gehören zu diesem Kreis, doch abgesehen von letzterem hatte keiner der genannten eine besondere Bedeutung in meinem Leben. 

Anders sieht es z.B. mit den Beatles aus. Ich hatte mal einen Bankberater, der meinen Geburtstag auswendig wusste, weil ihm als großer Beatles-Fan die Bedeutung des 10. Januars 1969 bewusst war. An diesem Tag gab es einen Streit zwischen John und Paul oder George verließ das Tonstudio, weil er auf jemand sauer war o.ä. Obwohl ich auch (quasi seit meiner Geburt) ein großer Beatles-Fan bin, habe ich mir diese Details nicht gemerkt, weil ich sie nicht so wichtig finde. Ende Januar 1969 fand das berühmte Konzert der Fab Four auf dem Dach ihrer Plattenfirma statt und ironischerweise war es ein Bankmanager, der die Polizei wegen Ruhestörung alarmierte. 1969 ist außerdem das Album Abbey Road erschienen und John und Yoko haben geheiratet, hätten also 2019 ihr Goldene Hochzeit gefeiert. Wenn sie damals schon in New York wohnten, haben sie vielleicht ihr Geld am weltweit ersten Geldautomaten der Chemical Bank abgehoben. Ganz bestimmt sind John und Yoko hin und wieder mit der Concorde über den großen Teich gejettet, denn diese hatte ihren Jungfernflug im März 1969. Ob sie dabei auch Capri-Sonne (Markteinführung 1969) serviert bekamen, ist jedoch fraglich. Meine Eltern haben sie uns gerne gekauft und auch noch für meine Kinder stand immer eins der Trinktütchen in ihrem Keller bereit, bis mein Vater im Jahr 2010 starb. Er mochte gerne Uhren. Wir haben für seine Trauerfeier sogar ein Lied namens „Großvaters Uhr“ ausgesucht. Apropos: 1969 brachte Seiko die erste Quartzuhr auf den Markt. Natürlich wollten wir als Kinder alle unbedingt so eine (oder eine von Casio o.ä.) haben. Noch ein Kind der End-Sechziger: Das Internet! So sagt man zumindest in Nerd-Kreisen. Ich hatte meinen ersten Kontakt mit dem Internet immerhin 1985 und war auch sonst ein Trendsetter im elektronischen Bereich. Trendsetter im musikalischen Bereich waren David Bowie mit seinem Album Space Oddity (VÖ: 1969), sowie viele der Künstler, die beim legendären Woodstock-Festival aufgetreten sind. Und dabei, genau wie ihre Fans, mit Sicherheit eine Menge von diesen neuartigen Pillen eingeworfen haben, die in jenem Jahr auf den Markt gekommen waren: Tic Tac. Wow, 1969 war echt wild!

Sesamstraße

Genau wie ich und der Caran d’Ache 849 feiert auch die Sesamstraße in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Es war die erste Fernsehsendung, die ich als Kind sah, vielleicht sogar mein erster Kontakt mit Kultur überhaupt (abgesehen vom Vorlesen) und sie prägte mein ästhetisches Empfinden über Jahre. Hier mein Lieblingssong aus der Sesamstraße, sehr melancholisch, aber wunderschön: Tausendfuß.

Muito obrigado por tudo

Die Musik von João Gilberto hat mich viele Jahre meines Lebens begleitet: beim Autofahren, Träumen, verliebt sein, den ersten Sonnenstrahlen des Frühlings, den ersten fallenden Blättern im Herbst und ganz viel auch beim Arbeiten. Er war ein seltsamer Typ, der sich irgendwann in den 1950er Jahren wochenlang im Haus seiner Schwester eingeschlossen hatte und als er wieder herauskam, hatte er den Bossa Nova erfunden. Komponiert haben die Songs ja andere, er hat sie „nur“ gesungen und dazu Gitarre gespielt. Aber das hat er so behutsam und so freundlich getan, dass das Hören dieser Songs bei mir fast wie Medizin wirkte. Jetzt ist er mit 88 Jahren gestorben. (Die Zeichnung oben ist leider unvollständig. Meine Kugelschreibermine, die ich letzte Woche noch gelobt hatte, ist nun doch versiegt.)