Gesundes Zeichnen

Ein „Zine“ vor dem Zusammenfalten … © Malaka Gharib

In einem Blogartikel schreibt die auf Gesundheitsthemen spezialisierte amerikanische Journalistin Malaka Gharib über die positive Wirkung von Kunst auf das Wohlbefinden. Insbesondere Zeichnen wird hier als geradezu therapeutische Maßnahme hervorgehoben. Im vergangenen Jahr hatte ich ja schon über das Big Draw Festival berichtet, dessen Schwerpunkt 2019 das Thema „Zeichnen und mentale Gesundheit“ war. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass einem Zeichnen gut tut. Es hilft dabei, die Gedanken zu sortieren bzw. verhindert ständiges Grübeln über ein Problem. Und kann trotzdem dabei helfen, genau dieses Problem zu lösen. Was mir besonders an Malakas Artikel gefällt, ist ein PDF, das sie zum Download anbietet. Wenn man es auf DIN-A4-Papier ausdruckt und auf eine bestimmte Weise faltet, erhält man ein sogenanntes „Zine“ mit acht Seiten. Malaka fertigt regelmäßig auf ihrem Weg zur Arbeit solche Zines an. In diesem hier geht es darum, wie man sich kreatives Arbeiten zur Gewohnheit macht. Ich kann mich für solche Basteleien total begeistern. Ich habe es schon als Kind geliebt, die Bastelbögen in meinen Lieblingscomics auszuschneiden (das war noch die Zeit, bevor die Teile gestanzt wurden) und zusammenzukleben und so das flache Papier in einen dreidimensionalen Gegenstand zu verwandeln. Im Falle des Zines kommt als zusätzliche Dimension noch die Interaktivität – das Blättern – hinzu. Very cool. Thank you, Malaka Gharib!

… und danach, als 8-seitiges Heft © Malaka Gharib

Helden der Kindheit

Vor ein paar Tagen bat mich Paula (14) um ein altes schwarzes T-Shirt von mir, weil sie etwas darauf malen wollte. Sie verschwand damit für einige Stunden in ihr Zimmer und kam mit diesem Werk wieder heraus. Ich bin immer wieder überrascht von ihren Ideen und wie toll und professionell sie diese umsetzt. Für mich sind ihre Arbeiten immer wieder auch Inspiration für meine eigene Arbeit. Und ich freue mich sehr, dass ihr das kreative Schaffen so viel Freude bereitet. Für sie ist das Malen und Zeichnen auch eine Art Gegenmittel zum Schulstress und anderen Widrigkeiten des Teenagerlebens.

Kippenbergers Raum

Mein Atelier im Jahr 2004

Ich würde von mir nicht behaupten, ich sei ein Kenner der Malerei. Ich gehe in ein Museum, manche Bilder sprechen mich an, andere lassen mich kalt. Das habe ich wahrscheinlich mit den meisten Nicht-Kunstkennern gemeinsam. Manchmal jedoch wird man mit einem Künstler konfrontiert, erfährt etwas über dessen Leben und betrachtet seine Werke danach noch mal auf eine ganz andere Weise. 

Nachdem ich mich selbstständig gemacht hatte, arbeitete ich zunächst von zu Hause aus, meistens in der Küche. Als ich dann die ersten, eigentlich winzig kleinen, Aufträge erhielt, war es soweit: Ich brauchte ein repräsentatives Büro. Nach einigem Suchen fand ich es im Kölner Belgischen Viertel: ein Loftatelier von 170 Quadratmetern. Es ähnelte den Räumlichkeiten der Werbeagentur cayenne in Düsseldorf, wo ich einige glückliche Jahre verbracht hatte. Um mir die Miete überhaupt leisten zu können, musste ich mir Geld von der Bank leihen. Den Kredit zahlte ich noch zurück, als ich schon lange nicht mehr in diesem Atelier arbeitete. Aber ich fühlte mich dort – zumindest für kurze Zeit – als hätte ich es geschafft, als wäre ich am Ziel meiner Träume angekommen. Besucher waren immer etwas irritiert, dass ich soviel Platz beanspruchte, obwohl ich meistens alleine am Schreibtisch saß und so wenige Möbel und Geräte hatte, dass ein Bruchteil der Fläche ausgereicht hätte. 

Als ich einige Zeit später beim Vermieter im Vorderhaus meinen Vertrag kündigte, erfuhr ich, dass mein Büro früher das Atelier des Künstlers Martin Kippenberger war. Den Namen hatte ich schon mal gehört, hatte aber keine Ahnung von seinem Leben und Werk. Da mein Vermieter bei der Erwähnung des Namens ganz ehrfürchtig wurde, weckte er damit meine Neugierde. Und dann habe ich gegoogelt: In Essen aufgewachsen, oft umgezogen, einer von den „Neuen Wilden“. Er war sehr umtriebig, hat viel gemalt und noch mehr provoziert und oft für ziemlichen Wirbel gesorgt. Er trank viel Alkohol, woran er mit 44 Jahren schließlich starb. Kann man nur dann ein bedeutender Künstler sein, wenn man sich selbst zerstört? Ich hätte dazu keine Lust. Meine Geschichte ging dann auch anders weiter.

Meine Eltern. Es gibt ein bekanntes Foto von Martin Kippenberger, wo er an diesem Fenster sitzt.

In dem Kippenberger-Atelier hatte ich eine gute Zeit und viel von dem, was noch Jahre später mein Berufsleben begleitete, hatte dort seinen Ursprung. Doch als Paula auf die Welt kam, wurde ich vernünftig(er). Von dem 170-Quadratmeter-Büro zog ich in ein 8-Quadratmeter-Büro und erholte mich erst mal ein wenig, finanziell gesehen. Danach bin ich noch viermal mit dem Büro umgezogen. Fast schon Kippenberger-like.

In der Bundeskunsthalle in Bonn findet bis zum 16. Februar 2020 die Ausstellung „Bitteschön Dankeschön“ mit Werken von Martin Kippenberger statt.

Backen im Flow

Die meisten kennen diesen herrlichen Zustand, in dem die Arbeit scheinbar mühelos von der Hand geht, in dem man keinen Hunger, keinen Durst verspürt und man alles um sich herum vergisst. Ich erlebe das manchmal bei der Arbeit, aber es ist selten, weil jede Ablenkung (z.B. ein Anruf) einen aus diesem Zustand herausreißen kann. Häufiger erlebe ich den Flow beim Kochen. Bei einem geschäftlichen Anlass habe ich vor kurzem das Gebäck von Astrid Fleisch aus Berlin kennengelernt. Sie hat sich in Paris zur Pâtissière ausbilden lassen, in verschiedenen Sternerestaurants in Südfrankreich und Berlin gearbeitet und ist außerdem Rechtsanwältin. Die unterschiedlichen Küchlein, die ich probieren durfte, haben mir extrem gut geschmeckt, und in einem Interview mit ihr, das ich danach gelesen habe, erfuhr ich auch warum. 

Ich glaube, das ist so: Wenn man tatsächlich völlig in seiner Aufgabe versinkt, ganz in der Tätigkeit aufgeht, dann kann ein anderer Mensch das dem Produkt anmerken, schmecken, sehen, fühlen usw. (je nachdem, um was es geht). Vom Kochen sagt man ja, dass es mit Liebe geschehen sollte, damit es wirklich gut schmeckt. Das erlebe ich in meinem Job auch immer mal wieder, und das sind dann wahrscheinlich die schönsten Momente, die ein Schreibtischberuf hergeben kann. Wenn ich so richtig tief in ein Projekt versinke und etwas entsteht, von dem ich weiß, das es gut und von Bedeutung ist, dann erleben das gleiche oft auch meine Kunden. Leider sind meine Arbeiten nicht essbar. Oder doch? 

Website von Astrid Fleisch: www.astridfleisch.com

Bist du kreativ?

Einer meiner Kunden ist Kulturmanager im Haupt- und Achtsamkeitscoach im Nebenberuf. Oder andersherum. Jedenfalls veranstaltet er Kurse zum Thema „Mindfulness Based Stress Reduction“ (MBSR) nach Jon Kabat-Zinn (www.achtsamkeit-leben.de). Das ist ein interessantes Thema von großer Relevanz in unserer modernen Zeit, in der scheinbar immer mehr Menschen ausbrennen. Ich habe vor ein paar Jahren eins der ersten Bücher von Kabat-Zinn gelesen und dort findet sich auch etwas zum Thema Kreativität. Denn auch diese lässt sich durch Achtsamkeit steigern, weil man nämlich lernt, nicht alles so zu machen, wie man es immer gemacht hat (auch wenn es für einen schädlich war), sondern inne zu halten und so neue Lösungen zu finden. Als kleinen Test im Buch gibt es das sogenannte 9-Punkte-Problem. Die Aufgabe lautet: Verbinde die neun Punkte durch vier gerade Linien, ohne den Stift abzusetzen oder eine vorhandene Linie nochmal nachzuzeichnen. Achtung: Ihr müsst hierzu die neun Punkte vorher auf Papier übertragen 🙂 Auflösung gibt’s im nächsten Beitrag nach der Sommerpause. Nicht schummeln!