Backen im Flow

Die meisten kennen diesen herrlichen Zustand, in dem die Arbeit scheinbar mühelos von der Hand geht, in dem man keinen Hunger, keinen Durst verspürt und man alles um sich herum vergisst. Ich erlebe das manchmal bei der Arbeit, aber es ist selten, weil jede Ablenkung (z.B. ein Anruf) einen aus diesem Zustand herausreißen kann. Häufiger erlebe ich den Flow beim Kochen. Bei einem geschäftlichen Anlass habe ich vor kurzem das Gebäck von Astrid Fleisch aus Berlin kennengelernt. Sie hat sich in Paris zur Pâtissière ausbilden lassen, in verschiedenen Sternerestaurants in Südfrankreich und Berlin gearbeitet und ist außerdem Rechtsanwältin. Die unterschiedlichen Küchlein, die ich probieren durfte, haben mir extrem gut geschmeckt, und in einem Interview mit ihr, das ich danach gelesen habe, erfuhr ich auch warum. 

Ich glaube, das ist so: Wenn man tatsächlich völlig in seiner Aufgabe versinkt, ganz in der Tätigkeit aufgeht, dann kann ein anderer Mensch das dem Produkt anmerken, schmecken, sehen, fühlen usw. (je nachdem, um was es geht). Vom Kochen sagt man ja, dass es mit Liebe geschehen sollte, damit es wirklich gut schmeckt. Das erlebe ich in meinem Job auch immer mal wieder, und das sind dann wahrscheinlich die schönsten Momente, die ein Schreibtischberuf hergeben kann. Wenn ich so richtig tief in ein Projekt versinke und etwas entsteht, von dem ich weiß, das es gut und von Bedeutung ist, dann erleben das gleiche oft auch meine Kunden. Leider sind meine Arbeiten nicht essbar. Oder doch? 

Website von Astrid Fleisch: www.astridfleisch.com

Bist du kreativ?

Einer meiner Kunden ist Kulturmanager im Haupt- und Achtsamkeitscoach im Nebenberuf. Oder andersherum. Jedenfalls veranstaltet er Kurse zum Thema „Mindfulness Based Stress Reduction“ (MBSR) nach Jon Kabat-Zinn (www.achtsamkeit-leben.de). Das ist ein interessantes Thema von großer Relevanz in unserer modernen Zeit, in der scheinbar immer mehr Menschen ausbrennen. Ich habe vor ein paar Jahren eins der ersten Bücher von Kabat-Zinn gelesen und dort findet sich auch etwas zum Thema Kreativität. Denn auch diese lässt sich durch Achtsamkeit steigern, weil man nämlich lernt, nicht alles so zu machen, wie man es immer gemacht hat (auch wenn es für einen schädlich war), sondern inne zu halten und so neue Lösungen zu finden. Als kleinen Test im Buch gibt es das sogenannte 9-Punkte-Problem. Die Aufgabe lautet: Verbinde die neun Punkte durch vier gerade Linien, ohne den Stift abzusetzen oder eine vorhandene Linie nochmal nachzuzeichnen. Achtung: Ihr müsst hierzu die neun Punkte vorher auf Papier übertragen 🙂 Auflösung gibt’s im nächsten Beitrag nach der Sommerpause. Nicht schummeln!