Design Award

Mein Wettbewerbsbeitrag für Children e.V.

Ich nehme eher ungern an Wettbewerben teil, aber dieser hier und seine Themen liegen mir am Herzen, und deshalb habe ich mitgemacht. Es geht um Anzeigen für Organisationen, die sich für Tiere, Menschen, Umwelt, Soziales einsetzen. Es gibt eine Fachjury und ein Publikumsvoting. Die Voting-Seite von Flyeralarm findet man hier. Falls jemand voten will: Man hat nur eine Stimme. Und wer diese meinem Beitrag geben möchte – gerne, bitte hier klicken. Weil so eine Anzeige ja für sich sprechen sollte, sage ich mal nichts weiter dazu. Weil es so gut lief, habe ich zu jedem der vier Themen bzw. Organisationen einen Beitrag entworfen, für Peta hatte ich sogar zwei, die ich gut fand.. Und einer davon müsste den Lesern dieses Blogs eigentlich bekannt vorkommen, denn von der Idee dahinter habe ich schon mal geschrieben. Hier die anderen Beiträge (für die man übrigens auch voten kann, einfach nach „Joerg Scholz“ suchen):

Kippenbergers Raum

Mein Atelier im Jahr 2004

Ich würde von mir nicht behaupten, ich sei ein Kenner der Malerei. Ich gehe in ein Museum, manche Bilder sprechen mich an, andere lassen mich kalt. Das habe ich wahrscheinlich mit den meisten Nicht-Kunstkennern gemeinsam. Manchmal jedoch wird man mit einem Künstler konfrontiert, erfährt etwas über dessen Leben und betrachtet seine Werke danach noch mal auf eine ganz andere Weise. 

Nachdem ich mich selbstständig gemacht hatte, arbeitete ich zunächst von zu Hause aus, meistens in der Küche. Als ich dann die ersten, eigentlich winzig kleinen, Aufträge erhielt, war es soweit: Ich brauchte ein repräsentatives Büro. Nach einigem Suchen fand ich es im Kölner Belgischen Viertel: ein Loftatelier von 170 Quadratmetern. Es ähnelte den Räumlichkeiten der Werbeagentur cayenne in Düsseldorf, wo ich einige glückliche Jahre verbracht hatte. Um mir die Miete überhaupt leisten zu können, musste ich mir Geld von der Bank leihen. Den Kredit zahlte ich noch zurück, als ich schon lange nicht mehr in diesem Atelier arbeitete. Aber ich fühlte mich dort – zumindest für kurze Zeit – als hätte ich es geschafft, als wäre ich am Ziel meiner Träume angekommen. Besucher waren immer etwas irritiert, dass ich soviel Platz beanspruchte, obwohl ich meistens alleine am Schreibtisch saß und so wenige Möbel und Geräte hatte, dass ein Bruchteil der Fläche ausgereicht hätte. 

Als ich einige Zeit später beim Vermieter im Vorderhaus meinen Vertrag kündigte, erfuhr ich, dass mein Büro früher das Atelier des Künstlers Martin Kippenberger war. Den Namen hatte ich schon mal gehört, hatte aber keine Ahnung von seinem Leben und Werk. Da mein Vermieter bei der Erwähnung des Namens ganz ehrfürchtig wurde, weckte er damit meine Neugierde. Und dann habe ich gegoogelt: In Essen aufgewachsen, oft umgezogen, einer von den „Neuen Wilden“. Er war sehr umtriebig, hat viel gemalt und noch mehr provoziert und oft für ziemlichen Wirbel gesorgt. Er trank viel Alkohol, woran er mit 44 Jahren schließlich starb. Kann man nur dann ein bedeutender Künstler sein, wenn man sich selbst zerstört? Ich hätte dazu keine Lust. Meine Geschichte ging dann auch anders weiter.

Meine Eltern. Es gibt ein bekanntes Foto von Martin Kippenberger, wo er an diesem Fenster sitzt.

In dem Kippenberger-Atelier hatte ich eine gute Zeit und viel von dem, was noch Jahre später mein Berufsleben begleitete, hatte dort seinen Ursprung. Doch als Paula auf die Welt kam, wurde ich vernünftig(er). Von dem 170-Quadratmeter-Büro zog ich in ein 8-Quadratmeter-Büro und erholte mich erst mal ein wenig, finanziell gesehen. Danach bin ich noch viermal mit dem Büro umgezogen. Fast schon Kippenberger-like.

In der Bundeskunsthalle in Bonn findet bis zum 16. Februar 2020 die Ausstellung „Bitteschön Dankeschön“ mit Werken von Martin Kippenberger statt.

Backen im Flow

Die meisten kennen diesen herrlichen Zustand, in dem die Arbeit scheinbar mühelos von der Hand geht, in dem man keinen Hunger, keinen Durst verspürt und man alles um sich herum vergisst. Ich erlebe das manchmal bei der Arbeit, aber es ist selten, weil jede Ablenkung (z.B. ein Anruf) einen aus diesem Zustand herausreißen kann. Häufiger erlebe ich den Flow beim Kochen. Bei einem geschäftlichen Anlass habe ich vor kurzem das Gebäck von Astrid Fleisch aus Berlin kennengelernt. Sie hat sich in Paris zur Pâtissière ausbilden lassen, in verschiedenen Sternerestaurants in Südfrankreich und Berlin gearbeitet und ist außerdem Rechtsanwältin. Die unterschiedlichen Küchlein, die ich probieren durfte, haben mir extrem gut geschmeckt, und in einem Interview mit ihr, das ich danach gelesen habe, erfuhr ich auch warum. 

Ich glaube, das ist so: Wenn man tatsächlich völlig in seiner Aufgabe versinkt, ganz in der Tätigkeit aufgeht, dann kann ein anderer Mensch das dem Produkt anmerken, schmecken, sehen, fühlen usw. (je nachdem, um was es geht). Vom Kochen sagt man ja, dass es mit Liebe geschehen sollte, damit es wirklich gut schmeckt. Das erlebe ich in meinem Job auch immer mal wieder, und das sind dann wahrscheinlich die schönsten Momente, die ein Schreibtischberuf hergeben kann. Wenn ich so richtig tief in ein Projekt versinke und etwas entsteht, von dem ich weiß, das es gut und von Bedeutung ist, dann erleben das gleiche oft auch meine Kunden. Leider sind meine Arbeiten nicht essbar. Oder doch? 

Website von Astrid Fleisch: www.astridfleisch.com

(R)einer geht, eine kommt

© Jörg Scholz 2019

Der Mensch, mit dem ich in meinem Leben am längsten zusammengearbeitet habe, wurde in dieser Woche in den Ruhestand verabschiedet. Direktor Reiner Klingholz verlässt nach 16 Jahren das Berlin-Institut. Bei der Abschiedsfeier gestern Abend in Berlin hatte ich die Ehre, dabeizusein. Unter dem Motto „(R)einer geht, eine kommt“ (denn es gibt eine Nachfolgerin) gab es ein offizielles Programm mit interessanten Vorträgen unter anderem von Ex-Minister Franz Müntefering. Auch eine Festschrift wurde veröffentlicht, von der ich nicht nur das Layout fabriziert habe, sondern in der ich auch mit einem Beitrag vertreten bin. Die ganze Festschrift zum Download auf der Seite des Berlin-Instituts.

Ich wurde gestern immer wieder gefragt, wie es überhaupt zu der Zusammenarbeit zwischen dem Berlin-Institut und mir kam. Das war so: Als ich mich im Jahr 2003 nach vielen Jahren in der Werbung selbstständig machte, war ich auf der Suche nach interessanten Kunden. Besonders interessant fand ich jene, die sich mit den Themen Nachhaltigkeit, Natur oder hochwertige Lebensmittel beschäftigten. Und wie das manchmal so ist, stieß ich auf ein Projekt, bei dem all das zusammenkam: In der GEO gab es einen Aufruf zur Mitarbeit an einem Projekt zum Thema „Vermarktung von Wildkaffee aus Äthiopien“. Ich meldete mich bei GEO, GEO meldete sich bei mir. Am Telefon war der Initiator des Projekts, Reiner Klingholz. Wir trafen uns in Hamburg und Reiner erzählte mir von diesem und anderen seiner unzähligen Projekte. Ich versprach ihm, mir Anzeigen für „GEO schützt den Regenwald“ auszudenken, was ich in den Wochen danach auch tat – ohne meine Arbeit zu berechnen. Die Anzeigen kamen gut an und wurden veröffentlicht. Kurz danach begann Reiner seinen neuen Job als Direktor des Berlin-Instituts. Und ich erhielt den ersten, harmlosen Auftrag, ein neues Logo zu entwickeln. Dann kam der Rest des Corporate Designs (das nahezu unverändert bis heute Bestand hat). Dann das Layout von „Deutschland 2020“. Diese Studie schlug ein wie eine Bombe, das Berlin-Institut wurde schlagartig berühmt. Und so erhielt ich über all die Jahre immer wieder neue Aufträge. Die Zusammenarbeit mit Reiner und seinem häufig wechselnden Team klappte trotz der räumlichen Distanz sehr gut. Aber es war auch schön, gestern mal wieder den „echten“ Menschen gegenüberzustehen.

An dieser Stelle möchte ich noch mal meinen Dank für die tolle Zusammenarbeit ausdrücken. Es hat Spaß gemacht, ich habe viel gelernt und sogar ein klitzekleines Bisschen dazu beigetragen, dass sich die Dinge in Deutschland und dem Rest der Welt zum Positiven verändern. Was will man mehr?

Beim Barte des Geißbocks!

Wenn man nicht nur Fan des 1. FC Köln ist, sondern auch nur einen Steinwurf vom Stadion entfernt wohnt, kommt man um manche Themen nicht herum. Ganz aktuell ist es (neben dem neuen Trainer, den neu verpflichteten Spielern und der Wiedereinführung von Bierbechern mit Pfand) das Thema Hennes, lebendiges Maskottchen des Vereins. Anfang August ist der vorherige Amtsinhaber Hennes VIII. wegen gesundheitlicher Probleme in den Ruhestand gegangen. Er war ein Publikumsliebling. Jeden, ob Freund oder Gegner, hat er mit seinem Lächeln verzaubert. War er vielleicht zu lieb? Denn erfolgreich war er während der 11 Jahre in Diensten des Effzeh nicht. Einzig erwähnenswert war die Europaleague-Teilnahme in der Saison 2017/18. Doch gleich danach folgte der Abstieg, der zweite mit Hennes VIII. Erfolgloser war nur Hennes VII., der gleich viermal den Abstieg aus der 1. Bundesliga miterleben musste. Um zu analysieren, warum manche Hennes’ erfolgreicher waren als andere, habe ich diese Infografik erstellt. Ein bisschen aus der Reihe tanzt Hennes II., der sehr kindlich daherkommt. Dieser Hennes war auch der mit dem tragischsten Ende: Er wurde von einem Schäferhund zu Tode gebissen (und nicht von Fans von Borussia Mönchengladbach vergiftet, wie damals gerüchteweise vermutet wurde). Alle anderen Hennes’ sehen sich auf den ersten Blick sehr ähnlich. Was bei genauerer Betrachtung jedoch auffällt: alle Loser-Hennes’ haben so gut wie keinen Bart. Insofern haben die FC-Verantwortlichen alles richtig gemacht, indem sie den Geißbock mit dem längsten Bart aller Zeiten verpflichteten. Ich habe ihn mir gestern im Kölner Zoo angeschaut, wo er außerhalb seiner dienstlichen Verpflichtungen seine Zeit verbringt. Er sieht, ehrlich gesagt, nicht annähernd so sympathisch aus wie sein Vorgänger. Er hat einen relativ kleinen Kopf, den erwähnten langen Bart und sehr lange Hörner. Sein erster Einsatz ist heute Abend beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund (er selbst wurde übrigens auch in Westfalen geboren). Dann wird sich zeigen ob der Bart hält, was er verspricht. Come on, Hennes IX.! 

Don‘t show esels!

Gestern waren wir mit Heidi und Gilberte unterwegs, zwei Eseln. Wer schon mal mit Eseln unterwegs war weiß, dass man ein bisschen Zeit dafür mitbringen sollte …

Vor Jahren war ich beruflich in Marrakesch. Ich war als Artdirector mit einem Filmteam unterwegs, um TV-Spots für unsere Marokko-Reisekampagne zu drehen. Wir hatten verschiedene Drehorte, diesmal waren die Souks in der Altstadt von Marrakesch an der Reihe. Dort läuft alles seit Jahrhunderten genau gleich ab, die gleichen Handwerker, die gleichen Kaufleute, die gleichen Wege, die von den Menschen zurückgelegt werden. Die Aufregung war also groß, als wir für eine Szene eine Gasse sperren mussten und die Bewohner einen Umweg von einer Gasse in Kauf nehmen mussten. Ein weiteres Hindernis war der Anspruch des anwesenden Vertreters des marokkanischen Tourismusministeriums, sein Land so modern wie möglich zu präsentieren. Das war in dieser mehr als traditionellen Umgebung schwierig bis unmöglich bzw. widersprach unserem Ziel, das Land möglichst pittoresk darzustellen. Uns gefielen z.B. die Eselskarren, die dort immer noch ein gebräuchliches Fortbewegungsmittel sind. Monsieur Jorio wies uns jedoch an: „Don‘t show Esels!“ (eigentlich sprach er sehr gut Englisch und Deutsch, er war aber ein bisschen aufgeregt). Der Spot wurde trotzdem schön. Und überhaupt: die ganze Produktion war sehr spannend in diesem nahen und doch sehr fremden Land.

Mondlandung

© Jörg Scholz 2019

Am kommenden Sonntag ist es 50 Jahre her, dass zum ersten Mal ein Mensch den Mond betreten hat. Saß ich damals auch am Fernseher? Mit einem halben Jahr? Wurde das überhaupt live übertragen? Ich muss mal meine Mutter fragen (links im Bild).

Anleitung für Oma

Ich habe meine 90-jährige Mutter überredet, sich noch mal ein halbwegs aktuelles Smartphone zuzulegen, um so besser mit ihren Kindern und Enkeln kommunizieren zu können. Ich hatte ursprünglich keine Bedenken, dass sie damit zurecht kommt, zumindest was die wichtigsten Funktionen angeht. Sie selbst sieht das anders und hat sich von überall die Bestätigung geholt, dass ein IPhone für eine Seniorin nicht das Richtige ist. Das hat meinen Ehrgeiz zusätzlich angestachelt und meine Tochter (14) und ich haben uns vorgenommen, dass wir Oma das schon beibringen mit der modernen Kommunikation. Man stellt dann relativ schnell fest, dass Dinge, die für unsere Generation selbstverständlich sind (und für die jüngeren Generationen erst recht) für ältere Menschen eine scheinbar unüberwindbare Hürde darstellen. Meine Tochter hat versucht, sich in die Lage eines Senioren hineinzuversetzen und dann für ihre Oma eine IPhone-Anleitung angefertigt. Mal sehen, wie meine Mutter darauf reagiert … In meinen Augen ist das Ergebnis jedenfalls sehr gelungen.

Happy Birthday, altes Gerät!

Mein Modell 849

Bis gestern dachte ich, ich würde mit meinem Kugelschreiber der Marke Caran d’Ache, Modell 849, deswegen so gerne schreiben und zeichnen weil er so gut in der Hand liegt, schön aussieht, saubere Linien produziert, leichtgängig ist und seine Mine niemals zu versiegen scheint. Nun weiß ich, was uns darüber hinaus verbindet: Wir sind beide gleich alt. Und wir beide funktionieren seit vielen Jahren erstaunlich gut und zuverlässig. Allerdings: er ist grau, ich noch nicht. Lass uns auch in Zukunft zusammenarbeiten und noch viele schöne, lustige, interessante Dinge notieren, scribbeln, kritzeln, Modell 849!

P.S.: Viele Menschen und Dinge, die mir etwas bedeuten, werden in diesem Jahr 50. Darüber zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

Auflösung der Preisfrage aus dem letzten Beitrag: Das Licht im zweiten Foto passt überhaupt nicht zur Aussage. Es sieht kalt aus. Das Foto habe ich am Morgen gemacht, als die Sonne noch auf der anderen Seite des Hauses stand.

Ach, Angela …

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Stiftungsreport

Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte vergangene Woche Köln und trug sich bei der Gelegenheit in das Goldene Buch der Stadt ein. Aus diesem Anlass hier noch einmal eine andere Szene mit Frau Merkel und einem Buch. In der Hand hält sie ein Exemplar des Stiftungsreports vom Bundesverband Deutscher Stiftungen, den ich 10 Jahre bzw. 10 Ausgaben lang gestalten durfte. Falls Sie das hier jetzt lesen, Frau Merkel: Hatten Sie eigentlich auch mal ins Buch hineingeschaut? Wenn nicht, finden Sie hier einen sehenswerten Einblick in meine Arbeit für den Stiftungsreport.

Bei einer Veranstaltung eines anderen Kunden von mir, dem Rat für Nachhaltige Entwicklung, habe ich Frau Merkel auch mal „live“ erlebt. Und Hannelore Kohl bin ich mal am Messestand von Canon bei der Cebit in Hannover gegenüber gestanden.