Ein Bild sagt mehr als 1000 Zahlen

Es ist warm in Deutschland. Das hat Vor- und Nachteile. Schlecht ist das Wetter unseren Küchen-Kerzen bekommen. Das Tolle daran: Dieses Bild alleine reicht, um auszudrücken, dass es wirklich richtig warm ist. Man könnte sogar sagen: heiß. Das schaffen sonst – eher schlecht als recht – nur Fotos von überfüllten Badeseen oder Thermometern mit langer Quecksilbersäule. Mit dem Kerzenbild möchte ich heute illustrieren, dass ein Foto auch eine Form von Informationsdesign sein kann. Die „wissenschaftliche“ Art, etwas über das momentane Wetter zu sagen, wäre: An der Messstation Köln-Bonner-Flughafen wurden am 26. Juni 2019 um 14 Uhr 35,8 Grad Celsius gemessen. Das ist eine sehr kopflastige Art von Information. Man muss viel lesen, die Zahlen interpretieren und mit den eigenen Erfahrungen vergleichen. Die Kerzen zeigen in einer Hundertstel Sekunde: in dieser Küche war es fast so heiß wie Feuer. Wow. 

Ich wollte ursprünglich ein anderes Foto nehmen, nämlich dieses hier, das ich eigentlich schöner finde:

Preisfrage an die Leserschaft dieses Blogs: Was hat mich an diesem Bild gestört, warum habe ich das weniger schöne Foto als „Key-Visual“ gewählt? Die Auflösung folgt im nächsten Beitrag!

The Big Draw

Ich sage es ja immer wieder: Zeichnen ist eine sinnvolle, praktische, nützliche, befriedigende, wohltuende Tätigkeit. Die Fähigkeit zu zeichnen kann man lernen und sollte daher unbedingt an Schulen gelehrt werden (zusätzlich zu den sonst eher kopflastigen Lernfächern). Gerade noch rechtzeitig, bevor ich selbst einen entsprechenden Feldzug starten konnte, erfuhr ich von „The Big Draw“, einem weltweiten Festival, das das Zeichnen feiert. Seinen Ursprung hat es, wie so viele andere coole Dinge, in England. Ich zitiere:

The Big Draw wurde im Jahr 2000 gegründet und ist eine gemeinnützige Organisation für Kunsterziehung, die die visuelle Kompetenz und die universelle Zeichensprache als Werkzeug für Lernen, Ausdruck und Erfindung fördert. (…) Die Organisation unterstützt Künstler durch den John Ruskin-Preis und eine dazugehörige Ausstellung. Regelmäßige Veranstaltungen, Auszeichnungen und Wettbewerbe schaffen Plattformen für jeden, der zeichnen möchte. The Big Draw begleitet das ganze Jahr über Forschungsprojekte, Kampagnen und Bildungskonferenzen zu den Themen „visuelle Alphabetisierung“, „digitale Technologie“ und das „STEAM-Konzept“. Durch die Zusammenarbeit mit Kultur- und Bildungsorganisationen, politischen Entscheidungsträgern und Unternehmen zeigt The Big Draw die sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Vorteile auf, die das Zeichnen mit sich bringen kann, und bietet jedem die Möglichkeit, darauf zuzugreifen.

In diesem Jahr ist das Motto „Creativity and Wellbeing“. Das gefällt mir besonders gut, denn den Zusammenhang zwischen Kreativität und Wohlbefinden kann ich zu 100 Prozent bestätigen. Die Veranstaltungen finden das ganze Jahr über statt, das Hauptfestival ist vom 1. bis zum 31. Oktober. Leider scheint sich das Programm hauptsächlich auf England zu beschränken, mit ein paar Ausreißern in den USA, Prag, Norwegen und Griechenland. Aber was nicht ist, kann ja noch werden! Vielleicht (hoffentlich!) breitet sich die Idee noch weiter aus, zum Beispiel in Deutschland. Hier noch mal der Link zur Festival-Website: www.thebigdraw.org.

Yesterday at Apple

© Jörg Scholz

Gestern habe ich zusammen mit meiner 14-jährigen Tochter zwei der „Today at Apple“-Workshops im Kölner Apple Store besucht. Erst „Procreate-Grundlagen“, dann „Baumhäuser zeichnen“. Die beiden Mitarbeiter namens Flo und Chris waren freundlich und locker, wie es nunmal bei Apple üblich ist, die Atmosphäre im Apple Store laut, aber angenehm und die Klimaanlage gefiel mir bei der Hitze auch ziemlich gut. Wir beide waren die einzigen Teilnehmer, was vielleicht der Uhrzeit und den hochsommerlichen Temperaturen geschuldet war. Aber so konnten die Workshopleiter ganz individuell auf uns eingehen. Natürlich kann man in der kurzen Zeit nicht in die Tiefe gehen, trotzdem war die Erfahrung sehr intensiv.

Der Baumhaus-Workshop wurde zusammen mit dem Architekturbüro Foster + Partners entwickelt, das unter anderem die Apple-Stores konzipiert. In einem Einspielvideo erzählt Narinder Sagoo, Senior Partner und Art Director bei Foster + Partners, etwas zum Thema Zeichnen, über die Verbindung des Zeichners/Gestalters zur Natur und betont den Auftrag von Architekten und Designern, mit ihrer Arbeit den Menschen Gutes zu tun. Und natürlich ging es auch um das Entwerfen von Baumhäusern und wie er selbst dabei vorgeht. Was er sagt und wie er es sagt, das fand ich sehr inspirierend. Hier ein Interview mit ihm über das Zeichnen an sich und darüber, wie er bereits morgens in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit sein iPhone (und seinen Daumen!) benutzt, um sich mit Porträts der anderen Reisenden „warmzuzeichnen“.

Wir selbst sollten auch ein Baumhaus entwerfen und es mit der App „Procreate“ am IPad zeichnen, wofür wir ca. 45 Minuten Zeit hatten. Davon war ich leicht überfordert. Das zeichnerische Ergebnis ist dann auch nicht besonders gut geworden, aber der Workshop hat Spaß gemacht und meine Tochter und mich auf neue Ideen gebracht.

Ach, Angela …

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Stiftungsreport

Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte vergangene Woche Köln und trug sich bei der Gelegenheit in das Goldene Buch der Stadt ein. Aus diesem Anlass hier noch einmal eine andere Szene mit Frau Merkel und einem Buch. In der Hand hält sie ein Exemplar des Stiftungsreports vom Bundesverband Deutscher Stiftungen, den ich 10 Jahre bzw. 10 Ausgaben lang gestalten durfte. Falls Sie das hier jetzt lesen, Frau Merkel: Hatten Sie eigentlich auch mal ins Buch hineingeschaut? Wenn nicht, finden Sie hier einen sehenswerten Einblick in meine Arbeit für den Stiftungsreport.

Bei einer Veranstaltung eines anderen Kunden von mir, dem Rat für Nachhaltige Entwicklung, habe ich Frau Merkel auch mal „live“ erlebt. Und Hannelore Kohl bin ich mal am Messestand von Canon bei der Cebit in Hannover gegenüber gestanden. 

Kopf

Der gute alte Kopf. Sowas wie mein Logo, mein Avatar und treuer Begleiter im Internet seit ein paar Jahren. Hier nur mal als Test, ob GIFs auch bei WordPress funktionieren. Ja, sie tun’s!

Neues Logo – neues Glück?

Rheinenergie-Logo, alt und neu

Ich verspreche: Dies ist das erste und einzige Mal, dass ich mich öffentlich kritisch über ein Firmenlogo äußern werde. Ich mache das nur, weil ich mich über 10 Jahre lang über das bisherige Rheinenergie-Logo gewundert habe, das so seltsam unprofessionell und unharmonisch daherkam. 

Meinen ersten Kontakt mit dem neuen Logo (Agentur: Meiré und Meiré) hatte ich als Kunde des Unternehmens, als ich in der vergangenen Woche meine Wasserrechnung aus dem Umschlag nahm. Und daher war mein erster Eindruck auch noch relativ unbefangen. Leider muss ich sagen, dass dieser erste Eindruck kein guter war. Ein Ring ist nach menschlicher Erfahrung ein harmonisches, in sich abgeschlossenes Objekt. Wenn da nun etwas fehlt, kommt es einem erstmal unvollständig vor. Meine erste Assoziation: Klar, die Energie geht langsam dem Ende zu, die fossilen Energieträger sind fast aufgebraucht. Das ergibt Sinn, war aber mit Sicherheit nicht die Intention des Unternehmens. 

Was ich von einem Logo erwarte: dass es einfach ist. Dass es sich von anderen Logos unterscheidet. Und dass es eben keine Assoziationen weckt, die nicht beabsichtigt sind. Wenn es dann noch gestalterisch und handwerklich sauber gearbeitet ist: 99 von 100 Punkten. Den letzten Punkt vergebe ich, wenn das Logo von sich aus etwas über das Unternehmen oder das Produkt erzählen kann. Meistens ist das aber zu viel verlangt und auch gar nicht nötig. Wofür könnte die Silhouette eines angebissenen Apfels stehen? Für einen Obsthändler? Bei Namen ist es ähnlich. Mit Bedeutung kann ein Name oder ein Logo durch das, was danach kommt, gefüllt werden: Kampagnen, Geschichten, eigene Erfahrungen.

Schwarzweiße Tiere

Zebra (rechts) und ich (links)

Nach dem Beitrag von vergangener Woche mit den unbeliebten Tieren gab es eine überwältigende Zahl an Nachfragen, ob es nicht auch Fotos gebe, auf denen ich mit beliebten schwarz-weißen Tieren zu sehen bin. Hier sind sie.

Ein Kätzchen, na und?

Ich finde es interessant, wie viele Tiere in Schwarz-Weiß es gibt, neben den gezeigten z.B. Pinguine, Pandabären, Stinktiere, Orcas, die klassische Schwarzbunte Kuh… Ich erinnere mich an eine tolle Kampagnenidee, die Bernd Bücker mal hatte, damals Creative Director und mein Teamchef bei der cayenne Werbeagentur. Canon hatte die Agentur beauftragt, Point-of-Sale-Poster für Schwarzweiß-Drucker zu entwerfen. Diese Geräte hatten sich immer mehr zu Ladenhütern entwickelt, weil Laser-Farbdrucker auf dem Vormarsch waren. Seine Idee: Man zeigte kontrastreiche Schwarzweiß-Fotos von Tieren, deren Fell oder Federkleid nur in diesen beiden Farben gehalten war. Dazu der Spruch „Wozu Farbe?“. Weiter unten in klein der Name und ein Produktfoto des beworbenen Druckers. Ungefähr so wie hier:

Ich weiß nicht mehr, wie die Sache damals ausging, aber ich kann mir vorstellen, dass der Kunde mit den Bildern in dieser Art nicht einverstanden war, weil sie nur eine begrenzte Zahl von Graustufen zeigten und der Drucker mit Sicherheit zu einer „höheren Qualität“ in der Lage war. Eine andere Idee von mir für die Schwarzweiß-Drucker wurde tatsächlich umgesetzt. Hier die Story dazu.

Die Vögel

Irgendwie ist das gerade der Monat der Vögel für mich, und da passt es doch ganz gut, wenn ich noch mal ein Motiv zeige, dass ich mal für eine Ausstellung im Rahmen des Kölner Popdesign-Festivals gemacht habe. Meine Ausstellung hieß „POPulation“ und es ging um den interessanten Stadtteil Ehrenfeld, wo ich zu der Zeit wohnte und arbeitete. Prägend für diesen Stadtteil ist das Thema „Vielfalt“: Menschen aus über 140 unterschiedlichen Herkunftsländern, aller Schichten und Altersklassen kommen zusammen. (Die komplette Ausstellung ist hier dokumentiert.) Doch die Vielfalt zeigt sich auch an anderer Stelle. Bei dem gezeigten Motiv handelt es sich um ein Poster, das alle Vogelarten aufzählt, die auf dem Kölner Melatenfriedhof dauerhaft oder zeitweise leben. Ich wusste schon vorher, dass da einiges zusammenkommen würde, als ich aber vom Nabu die vollständige Liste erhielt, musste ich sogar meinen urspünglichen Entwurf verwerfen, weil das einfach nicht gepasst hätte. Meine Frau Aline kam auf die Idee mit der Silhouette, die dann auch schnell umgesetzt war.

Köln als Marke

Markenlogo der Stadt Köln

Ich hätte mal bei der Wuppertaler Werbeagentur Boros anfangen können. Hätte ich das getan, wäre ich möglicherweise auch an der Entwicklung des Markenlogos für die Stadt Köln beteiligt gewesen. War ich aber nicht. Dafür habe ich aber ungefähr zur selben Zeit eine Grafik für das Berlin-Institut gezeichnet. Und siehe da: der Job war fast der gleiche (nur unwesentlich schlechter bezahlt).

Tauben – Delfine der Lüfte

© Jörg Scholz

Heute ist Tag der Umwelt. Daher folgt ausnahmsweise ein Beitrag, der mit Tieren zu tun hat.

Die Überschrift ist der Name eines früheren Bühnenprogramms des wahnwitzigen bzw. wahnsinnig witzigen Komikers FiL. Normalerweise werden Tauben im Volksmund abwertend als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet, was klarmacht: Sie haben ein sehr schlechtes Image. Wie diese anderen unbeliebten Tiere: Ratten, Würmer, Spinnen, Mäuse, Wölfe, Quallen oder Haie. Aber auch Elstern. Sie gelten als „diebisch“, sie holen die Eier aus den Nestern von süßen anderen Vögeln, der Aberglaube meint gar, dass es sich um Todesboten handele. Ich war bisher ehrlich gesagt auch kein Fan dieser schwarz-weißen Rabenvögel. Ich bin eher so der Singvogel-Typ. Bis Ella in unser Leben trat bzw. flatterte. Dieser Vogel saß letzte Woche ganz unvermittelt auf unserem Terrassengeländer und sperrte den Schnabel weit auf, als er mich erblickte. Als dreifacher Vater erkannte ich gleich: Das ist ein Baby. Und es ist hungrig. Wir gaben ihr Katzenfutter. Seitdem besucht Ella uns regelmäßig. Alle in der Familie haben sie ins Herz geschlossen.

Was Ella gerade auf eigene Faust tut, wollte ich auch schon immer mal machen: Imagewerbung für unbeliebte Tiere. Ella die Elster macht das mit ihrem Charme, ich würde dafür z.B. 18/1-Plakate verwenden.