Gesundes Zeichnen

Ein „Zine“ vor dem Zusammenfalten … © Malaka Gharib

In einem Blogartikel schreibt die auf Gesundheitsthemen spezialisierte amerikanische Journalistin Malaka Gharib über die positive Wirkung von Kunst auf das Wohlbefinden. Insbesondere Zeichnen wird hier als geradezu therapeutische Maßnahme hervorgehoben. Im vergangenen Jahr hatte ich ja schon über das Big Draw Festival berichtet, dessen Schwerpunkt 2019 das Thema „Zeichnen und mentale Gesundheit“ war. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass einem Zeichnen gut tut. Es hilft dabei, die Gedanken zu sortieren bzw. verhindert ständiges Grübeln über ein Problem. Und kann trotzdem dabei helfen, genau dieses Problem zu lösen. Was mir besonders an Malakas Artikel gefällt, ist ein PDF, das sie zum Download anbietet. Wenn man es auf DIN-A4-Papier ausdruckt und auf eine bestimmte Weise faltet, erhält man ein sogenanntes „Zine“ mit acht Seiten. Malaka fertigt regelmäßig auf ihrem Weg zur Arbeit solche Zines an. In diesem hier geht es darum, wie man sich kreatives Arbeiten zur Gewohnheit macht. Ich kann mich für solche Basteleien total begeistern. Ich habe es schon als Kind geliebt, die Bastelbögen in meinen Lieblingscomics auszuschneiden (das war noch die Zeit, bevor die Teile gestanzt wurden) und zusammenzukleben und so das flache Papier in einen dreidimensionalen Gegenstand zu verwandeln. Im Falle des Zines kommt als zusätzliche Dimension noch die Interaktivität – das Blättern – hinzu. Very cool. Thank you, Malaka Gharib!

… und danach, als 8-seitiges Heft © Malaka Gharib

Jahrzehnt voll

Mein Jahresweiser 2010 bis 2019

Habe ich tatsächlich 3.652 mal mit einem Bleistift eine Kurzfassung meines Vortages in dieses Buch geschrieben? Auch wenn ich mir das gerade kaum vorstellen kann, war es offensichtlich so, denn seit dem 31. Dezember 2019 ist das Buch voll. Einige wesentliche Dinge in meinem Leben sind vorher passiert (Geburt von Paula und Cordt, Heirat, Hausbau, Geschäftsgründung …), einige aber auch mittendrin (Geburt von Alva, Tod meines Vaters). Es ist weder ein richtiges Tagebuch noch ein richtiger Kalender, eben ein Jahresweiser, was immer das bedeuten mag. Manchmal habe ich tatsächlich nachgelesen, was zum gleichen Datum in den Jahren zuvor passiert war und dann wurden diese Dinge wieder sehr lebendig. Der Jahresweiser hilft dem Gedächtnis gewissermaßen auf die Sprünge. Das können natürlich Fotos auch, aber es ist ja nicht immer angebracht, zu fotografieren (z.B. bei einer Beerdigung). Außerdem wissen die Fotos nicht, wie es im Innern aussieht. Ein bisschen war ich erleichtert, als das Buch endlich voll war, denn es ist auch eine Last, jeden Morgen etwas dort hineinschreiben zu MÜSSEN. Nein, es kann einen natürlich keiner dazu zwingen, aber ich hätte sonst das Gefühl gehabt, etwas Wichtiges unterlassen zu haben. Die ersten Tage im Januar 2020 begannen genau mit diesem Gefühl, dann ließ es nach und so ab 9. Januar fühlte ich mich ungewohnt frei ohne diesen grauen Klotz am Bein. Doch dann, am 10. Januar, ein Geburtstagsgeschenk: der Jahresweiser 2020–2029! Jetzt muss ich die ersten Tage des neuen Jahrzehnts nachtragen, und das ist gar nicht so einfach. Ich habe mir vorgenommen, weniger detailliert zu schreiben und mehr zu zeichnen, denn das macht mehr Spaß. Und nun freue ich mich doch über den neuen grauen Klotz.

1969

Über die erste Mondlandung, die Sesamstraße und den Kugelschreiber Modell 849 habe ich ja schon in diesem Blog geschrieben. Heute, kurz vor Jahresende, will ich noch schnell die anderen prominenten Personen und Dinge würdigen, die in diesem Jahr 50 wurden. Michael Schumacher, Steffi Graf, Oliver Kahn, Markus Lanz, Jennifer Aniston, Marilyn Manson und MC Solaar gehören zu diesem Kreis, doch abgesehen von letzterem hatte keiner der genannten eine besondere Bedeutung in meinem Leben. 

Anders sieht es z.B. mit den Beatles aus. Ich hatte mal einen Bankberater, der meinen Geburtstag auswendig wusste, weil ihm als großer Beatles-Fan die Bedeutung des 10. Januars 1969 bewusst war. An diesem Tag gab es einen Streit zwischen John und Paul oder George verließ das Tonstudio, weil er auf jemand sauer war o.ä. Obwohl ich auch (quasi seit meiner Geburt) ein großer Beatles-Fan bin, habe ich mir diese Details nicht gemerkt, weil ich sie nicht so wichtig finde. Ende Januar 1969 fand das berühmte Konzert der Fab Four auf dem Dach ihrer Plattenfirma statt und ironischerweise war es ein Bankmanager, der die Polizei wegen Ruhestörung alarmierte. 1969 ist außerdem das Album Abbey Road erschienen und John und Yoko haben geheiratet, hätten also 2019 ihr Goldene Hochzeit gefeiert. Wenn sie damals schon in New York wohnten, haben sie vielleicht ihr Geld am weltweit ersten Geldautomaten der Chemical Bank abgehoben. Ganz bestimmt sind John und Yoko hin und wieder mit der Concorde über den großen Teich gejettet, denn diese hatte ihren Jungfernflug im März 1969. Ob sie dabei auch Capri-Sonne (Markteinführung 1969) serviert bekamen, ist jedoch fraglich. Meine Eltern haben sie uns gerne gekauft und auch noch für meine Kinder stand immer eins der Trinktütchen in ihrem Keller bereit, bis mein Vater im Jahr 2010 starb. Er mochte gerne Uhren. Wir haben für seine Trauerfeier sogar ein Lied namens „Großvaters Uhr“ ausgesucht. Apropos: 1969 brachte Seiko die erste Quartzuhr auf den Markt. Natürlich wollten wir als Kinder alle unbedingt so eine (oder eine von Casio o.ä.) haben. Noch ein Kind der End-Sechziger: Das Internet! So sagt man zumindest in Nerd-Kreisen. Ich hatte meinen ersten Kontakt mit dem Internet immerhin 1985 und war auch sonst ein Trendsetter im elektronischen Bereich. Trendsetter im musikalischen Bereich waren David Bowie mit seinem Album Space Oddity (VÖ: 1969), sowie viele der Künstler, die beim legendären Woodstock-Festival aufgetreten sind. Und dabei, genau wie ihre Fans, mit Sicherheit eine Menge von diesen neuartigen Pillen eingeworfen haben, die in jenem Jahr auf den Markt gekommen waren: Tic Tac. Wow, 1969 war echt wild!

Helden der Kindheit

Vor ein paar Tagen bat mich Paula (14) um ein altes schwarzes T-Shirt von mir, weil sie etwas darauf malen wollte. Sie verschwand damit für einige Stunden in ihr Zimmer und kam mit diesem Werk wieder heraus. Ich bin immer wieder überrascht von ihren Ideen und wie toll und professionell sie diese umsetzt. Für mich sind ihre Arbeiten immer wieder auch Inspiration für meine eigene Arbeit. Und ich freue mich sehr, dass ihr das kreative Schaffen so viel Freude bereitet. Für sie ist das Malen und Zeichnen auch eine Art Gegenmittel zum Schulstress und anderen Widrigkeiten des Teenagerlebens.

Design Award

Mein Wettbewerbsbeitrag für Children e.V.

Ich nehme eher ungern an Wettbewerben teil, aber dieser hier und seine Themen liegen mir am Herzen, und deshalb habe ich mitgemacht. Es geht um Anzeigen für Organisationen, die sich für Tiere, Menschen, Umwelt, Soziales einsetzen. Es gibt eine Fachjury und ein Publikumsvoting. Die Voting-Seite von Flyeralarm findet man hier. Falls jemand voten will: Man hat nur eine Stimme. Und wer diese meinem Beitrag geben möchte – gerne, bitte hier klicken. Weil so eine Anzeige ja für sich sprechen sollte, sage ich mal nichts weiter dazu. Weil es so gut lief, habe ich zu jedem der vier Themen bzw. Organisationen einen Beitrag entworfen, für Peta hatte ich sogar zwei, die ich gut fand.. Und einer davon müsste den Lesern dieses Blogs eigentlich bekannt vorkommen, denn von der Idee dahinter habe ich schon mal geschrieben. Hier die anderen Beiträge (für die man übrigens auch voten kann, einfach nach „Joerg Scholz“ suchen):

Kippenbergers Raum

Mein Atelier im Jahr 2004

Ich würde von mir nicht behaupten, ich sei ein Kenner der Malerei. Ich gehe in ein Museum, manche Bilder sprechen mich an, andere lassen mich kalt. Das habe ich wahrscheinlich mit den meisten Nicht-Kunstkennern gemeinsam. Manchmal jedoch wird man mit einem Künstler konfrontiert, erfährt etwas über dessen Leben und betrachtet seine Werke danach noch mal auf eine ganz andere Weise. 

Nachdem ich mich selbstständig gemacht hatte, arbeitete ich zunächst von zu Hause aus, meistens in der Küche. Als ich dann die ersten, eigentlich winzig kleinen, Aufträge erhielt, war es soweit: Ich brauchte ein repräsentatives Büro. Nach einigem Suchen fand ich es im Kölner Belgischen Viertel: ein Loftatelier von 170 Quadratmetern. Es ähnelte den Räumlichkeiten der Werbeagentur cayenne in Düsseldorf, wo ich einige glückliche Jahre verbracht hatte. Um mir die Miete überhaupt leisten zu können, musste ich mir Geld von der Bank leihen. Den Kredit zahlte ich noch zurück, als ich schon lange nicht mehr in diesem Atelier arbeitete. Aber ich fühlte mich dort – zumindest für kurze Zeit – als hätte ich es geschafft, als wäre ich am Ziel meiner Träume angekommen. Besucher waren immer etwas irritiert, dass ich soviel Platz beanspruchte, obwohl ich meistens alleine am Schreibtisch saß und so wenige Möbel und Geräte hatte, dass ein Bruchteil der Fläche ausgereicht hätte. 

Als ich einige Zeit später beim Vermieter im Vorderhaus meinen Vertrag kündigte, erfuhr ich, dass mein Büro früher das Atelier des Künstlers Martin Kippenberger war. Den Namen hatte ich schon mal gehört, hatte aber keine Ahnung von seinem Leben und Werk. Da mein Vermieter bei der Erwähnung des Namens ganz ehrfürchtig wurde, weckte er damit meine Neugierde. Und dann habe ich gegoogelt: In Essen aufgewachsen, oft umgezogen, einer von den „Neuen Wilden“. Er war sehr umtriebig, hat viel gemalt und noch mehr provoziert und oft für ziemlichen Wirbel gesorgt. Er trank viel Alkohol, woran er mit 44 Jahren schließlich starb. Kann man nur dann ein bedeutender Künstler sein, wenn man sich selbst zerstört? Ich hätte dazu keine Lust. Meine Geschichte ging dann auch anders weiter.

Meine Eltern. Es gibt ein bekanntes Foto von Martin Kippenberger, wo er an diesem Fenster sitzt.

In dem Kippenberger-Atelier hatte ich eine gute Zeit und viel von dem, was noch Jahre später mein Berufsleben begleitete, hatte dort seinen Ursprung. Doch als Paula auf die Welt kam, wurde ich vernünftig(er). Von dem 170-Quadratmeter-Büro zog ich in ein 8-Quadratmeter-Büro und erholte mich erst mal ein wenig, finanziell gesehen. Danach bin ich noch viermal mit dem Büro umgezogen. Fast schon Kippenberger-like.

In der Bundeskunsthalle in Bonn findet bis zum 16. Februar 2020 die Ausstellung „Bitteschön Dankeschön“ mit Werken von Martin Kippenberger statt.

Kastanien

Beim Kastaniensammeln mit meinen Kindern habe ich festgestellt, dass ich immer noch die gleiche Faszination für Kastanien habe wie zu Grundschulzeiten. Damals hatten wir einen riesigen alten Kastanienbaum auf unserem Schulhof und wenn die Zeit soweit war, haben wir uns abends dort getroffen und mit Stöcken die Kastanien vom Baum geworfen. Das hat vor allem großen Spaß gemacht, nebenbei unseren Wurfarm trainiert (wovon ich bei den Bundesjugendspielen profitierte) und uns kiloweise wunderschöne Kastanien beschert. Die haben wir dann teilweise verbastelt und den Rest in den Tierpark gebracht. Oder wir haben sie in der Plastiktüte vergessen und sie sind verschimmelt. Wenn sie noch ganz frisch waren, mit einer glatten und glänzenden Oberfläche, waren sie für mich wie kostbare Edelsteine und wunderschöne Handschmeichler. Leider hielt der Glanz nicht sehr lange an, so nach 2 bis 3 Tagen wurden die Kastanien hart, matt und schrumpelig. Und in dem Moment haben sie mich nicht mehr interessiert. Als hätten sie ihre Seele verloren. 

Vor Jahren hatten wir für Canon-Drucker im Rahmen einer Anzeigenkampagne ein Motiv mit einem Kastanientier. Ich habe vergessen, was die Botschaft der Anzeige war, aber ich weiß noch, dass das Tier nicht aus echten Kastanien gebaut wurde, sondern von einem Modellbauer modelliert und lackiert. So hatte man einerseits die Gewissheit, dass der Glanz der Kastanien erhalten bleiben würde und außerdem konnte man das Modell größer bauen, was gewisse technische bzw. optische Vorteile für das Fotoshooting hatte.

Noch eine Geschichte zum Thema Marketing und Kastanien: Seit über 80 Jahren findet bei Haribo eine Kastanientauschaktion statt. Das hat sich damals Harald Riegel in Bonn höchstpersönlich ausgedacht. Dabei kann man gesammelte Kastanien (und Eicheln) im Verhältnis 10:1 in der Haribo-Fabrik gegen Gummibärchen und ähnliche Produkte eintauschen. Haribo verteilt die Waldfrüchte dann weiter an Tierparks. Wir haben das mal gemacht, natürlich(!) den Kindern und Tieren zuliebe. Tagelang hatten wir Kastanien gesammelt, uns dann stundenlang in eine mehrere hundert Meter lange Schlange eingereiht und am Ende drei Tüten Colafläschchen und Color-Rado erhalten. Die haben wir dann im Haribo-Werksverkauf um ein paar weitere Lakritz- und Gelatine-Süßigkeiten ergänzt. Wenn man schon mal da ist.

Backen im Flow

Die meisten kennen diesen herrlichen Zustand, in dem die Arbeit scheinbar mühelos von der Hand geht, in dem man keinen Hunger, keinen Durst verspürt und man alles um sich herum vergisst. Ich erlebe das manchmal bei der Arbeit, aber es ist selten, weil jede Ablenkung (z.B. ein Anruf) einen aus diesem Zustand herausreißen kann. Häufiger erlebe ich den Flow beim Kochen. Bei einem geschäftlichen Anlass habe ich vor kurzem das Gebäck von Astrid Fleisch aus Berlin kennengelernt. Sie hat sich in Paris zur Pâtissière ausbilden lassen, in verschiedenen Sternerestaurants in Südfrankreich und Berlin gearbeitet und ist außerdem Rechtsanwältin. Die unterschiedlichen Küchlein, die ich probieren durfte, haben mir extrem gut geschmeckt, und in einem Interview mit ihr, das ich danach gelesen habe, erfuhr ich auch warum. 

Ich glaube, das ist so: Wenn man tatsächlich völlig in seiner Aufgabe versinkt, ganz in der Tätigkeit aufgeht, dann kann ein anderer Mensch das dem Produkt anmerken, schmecken, sehen, fühlen usw. (je nachdem, um was es geht). Vom Kochen sagt man ja, dass es mit Liebe geschehen sollte, damit es wirklich gut schmeckt. Das erlebe ich in meinem Job auch immer mal wieder, und das sind dann wahrscheinlich die schönsten Momente, die ein Schreibtischberuf hergeben kann. Wenn ich so richtig tief in ein Projekt versinke und etwas entsteht, von dem ich weiß, das es gut und von Bedeutung ist, dann erleben das gleiche oft auch meine Kunden. Leider sind meine Arbeiten nicht essbar. Oder doch? 

Website von Astrid Fleisch: www.astridfleisch.com

(R)einer geht, eine kommt

© Jörg Scholz 2019

Der Mensch, mit dem ich in meinem Leben am längsten zusammengearbeitet habe, wurde in dieser Woche in den Ruhestand verabschiedet. Direktor Reiner Klingholz verlässt nach 16 Jahren das Berlin-Institut. Bei der Abschiedsfeier gestern Abend in Berlin hatte ich die Ehre, dabeizusein. Unter dem Motto „(R)einer geht, eine kommt“ (denn es gibt eine Nachfolgerin) gab es ein offizielles Programm mit interessanten Vorträgen unter anderem von Ex-Minister Franz Müntefering. Auch eine Festschrift wurde veröffentlicht, von der ich nicht nur das Layout fabriziert habe, sondern in der ich auch mit einem Beitrag vertreten bin. Die ganze Festschrift zum Download auf der Seite des Berlin-Instituts.

Ich wurde gestern immer wieder gefragt, wie es überhaupt zu der Zusammenarbeit zwischen dem Berlin-Institut und mir kam. Das war so: Als ich mich im Jahr 2003 nach vielen Jahren in der Werbung selbstständig machte, war ich auf der Suche nach interessanten Kunden. Besonders interessant fand ich jene, die sich mit den Themen Nachhaltigkeit, Natur oder hochwertige Lebensmittel beschäftigten. Und wie das manchmal so ist, stieß ich auf ein Projekt, bei dem all das zusammenkam: In der GEO gab es einen Aufruf zur Mitarbeit an einem Projekt zum Thema „Vermarktung von Wildkaffee aus Äthiopien“. Ich meldete mich bei GEO, GEO meldete sich bei mir. Am Telefon war der Initiator des Projekts, Reiner Klingholz. Wir trafen uns in Hamburg und Reiner erzählte mir von diesem und anderen seiner unzähligen Projekte. Ich versprach ihm, mir Anzeigen für „GEO schützt den Regenwald“ auszudenken, was ich in den Wochen danach auch tat – ohne meine Arbeit zu berechnen. Die Anzeigen kamen gut an und wurden veröffentlicht. Kurz danach begann Reiner seinen neuen Job als Direktor des Berlin-Instituts. Und ich erhielt den ersten, harmlosen Auftrag, ein neues Logo zu entwickeln. Dann kam der Rest des Corporate Designs (das nahezu unverändert bis heute Bestand hat). Dann das Layout von „Deutschland 2020“. Diese Studie schlug ein wie eine Bombe, das Berlin-Institut wurde schlagartig berühmt. Und so erhielt ich über all die Jahre immer wieder neue Aufträge. Die Zusammenarbeit mit Reiner und seinem häufig wechselnden Team klappte trotz der räumlichen Distanz sehr gut. Aber es war auch schön, gestern mal wieder den „echten“ Menschen gegenüberzustehen.

An dieser Stelle möchte ich noch mal meinen Dank für die tolle Zusammenarbeit ausdrücken. Es hat Spaß gemacht, ich habe viel gelernt und sogar ein klitzekleines Bisschen dazu beigetragen, dass sich die Dinge in Deutschland und dem Rest der Welt zum Positiven verändern. Was will man mehr?

Beim Barte des Geißbocks!

Wenn man nicht nur Fan des 1. FC Köln ist, sondern auch nur einen Steinwurf vom Stadion entfernt wohnt, kommt man um manche Themen nicht herum. Ganz aktuell ist es (neben dem neuen Trainer, den neu verpflichteten Spielern und der Wiedereinführung von Bierbechern mit Pfand) das Thema Hennes, lebendiges Maskottchen des Vereins. Anfang August ist der vorherige Amtsinhaber Hennes VIII. wegen gesundheitlicher Probleme in den Ruhestand gegangen. Er war ein Publikumsliebling. Jeden, ob Freund oder Gegner, hat er mit seinem Lächeln verzaubert. War er vielleicht zu lieb? Denn erfolgreich war er während der 11 Jahre in Diensten des Effzeh nicht. Einzig erwähnenswert war die Europaleague-Teilnahme in der Saison 2017/18. Doch gleich danach folgte der Abstieg, der zweite mit Hennes VIII. Erfolgloser war nur Hennes VII., der gleich viermal den Abstieg aus der 1. Bundesliga miterleben musste. Um zu analysieren, warum manche Hennes’ erfolgreicher waren als andere, habe ich diese Infografik erstellt. Ein bisschen aus der Reihe tanzt Hennes II., der sehr kindlich daherkommt. Dieser Hennes war auch der mit dem tragischsten Ende: Er wurde von einem Schäferhund zu Tode gebissen (und nicht von Fans von Borussia Mönchengladbach vergiftet, wie damals gerüchteweise vermutet wurde). Alle anderen Hennes’ sehen sich auf den ersten Blick sehr ähnlich. Was bei genauerer Betrachtung jedoch auffällt: alle Loser-Hennes’ haben so gut wie keinen Bart. Insofern haben die FC-Verantwortlichen alles richtig gemacht, indem sie den Geißbock mit dem längsten Bart aller Zeiten verpflichteten. Ich habe ihn mir gestern im Kölner Zoo angeschaut, wo er außerhalb seiner dienstlichen Verpflichtungen seine Zeit verbringt. Er sieht, ehrlich gesagt, nicht annähernd so sympathisch aus wie sein Vorgänger. Er hat einen relativ kleinen Kopf, den erwähnten langen Bart und sehr lange Hörner. Sein erster Einsatz ist heute Abend beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund (er selbst wurde übrigens auch in Westfalen geboren). Dann wird sich zeigen ob der Bart hält, was er verspricht. Come on, Hennes IX.!