Don‘t show esels!

Gestern waren wir mit Heidi und Gilberte unterwegs, zwei Eseln. Wer schon mal mit Eseln unterwegs war weiß, dass man ein bisschen Zeit dafür mitbringen sollte …

Vor Jahren war ich beruflich in Marrakesch. Ich war als Artdirector mit einem Filmteam unterwegs, um TV-Spots für unsere Marokko-Reisekampagne zu drehen. Wir hatten verschiedene Drehorte, diesmal waren die Souks in der Altstadt von Marrakesch an der Reihe. Dort läuft alles seit Jahrhunderten genau gleich ab, die gleichen Handwerker, die gleichen Kaufleute, die gleichen Wege, die von den Menschen zurückgelegt werden. Die Aufregung war also groß, als wir für eine Szene eine Gasse sperren mussten und die Bewohner einen Umweg von einer Gasse in Kauf nehmen mussten. Ein weiteres Hindernis war der Anspruch des anwesenden Vertreters des marokkanischen Tourismusministeriums, sein Land so modern wie möglich zu präsentieren. Das war in dieser mehr als traditionellen Umgebung schwierig bis unmöglich bzw. widersprach unserem Ziel, das Land möglichst pittoresk darzustellen. Uns gefielen z.B. die Eselskarren, die dort immer noch ein gebräuchliches Fortbewegungsmittel sind. Monsieur Jorio wies uns jedoch an: „Don‘t show Esels!“ (eigentlich sprach er sehr gut Englisch und Deutsch, er war aber ein bisschen aufgeregt). Der Spot wurde trotzdem schön. Und überhaupt: die ganze Produktion war sehr spannend in diesem nahen und doch sehr fremden Land.

Bist du kreativ?

Einer meiner Kunden ist Kulturmanager im Haupt- und Achtsamkeitscoach im Nebenberuf. Oder andersherum. Jedenfalls veranstaltet er Kurse zum Thema „Mindfulness Based Stress Reduction“ (MBSR) nach Jon Kabat-Zinn (www.achtsamkeit-leben.de). Das ist ein interessantes Thema von großer Relevanz in unserer modernen Zeit, in der scheinbar immer mehr Menschen ausbrennen. Ich habe vor ein paar Jahren eins der ersten Bücher von Kabat-Zinn gelesen und dort findet sich auch etwas zum Thema Kreativität. Denn auch diese lässt sich durch Achtsamkeit steigern, weil man nämlich lernt, nicht alles so zu machen, wie man es immer gemacht hat (auch wenn es für einen schädlich war), sondern inne zu halten und so neue Lösungen zu finden. Als kleinen Test im Buch gibt es das sogenannte 9-Punkte-Problem. Die Aufgabe lautet: Verbinde die neun Punkte durch vier gerade Linien, ohne den Stift abzusetzen oder eine vorhandene Linie nochmal nachzuzeichnen. Achtung: Ihr müsst hierzu die neun Punkte vorher auf Papier übertragen 🙂 Auflösung gibt’s im nächsten Beitrag nach der Sommerpause. Nicht schummeln!

Veggie Day

Neulich besuchte ich mit meiner sechsjährigen Tochter, die sich sehr für Pferde interessiert, den Pferdestall in unserer Nähe. Sie hatte ein paar Möhren dabei, um die Tiere zu füttern. Sie fragte die Besitzerin eines Pferdes mit einem männlichen Pferdenamen (das Pferd, nicht die Besitzerin!) um Erlaubnis, ihm eine Möhre anzubieten. Sie durfte, hatte allerdings großen Respekt vor dem gigantischen Tier. Der Hengst war in meinen Laien-Augen ein besonders groß geratenes Exemplar. Er nahm dann ganz vorsichtig nur mit seinen Lippen (heißt bei Pferden bestimmt anders) die Möhre aus der Hand des kleinen Mädchens. Die Besitzerin erklärte meiner Tochter, dass Pferde ja immer nur Pflanzennahrung fressen. Dieser Koloss von mehr als einer halben Tonne hatte sein Körpergewicht also allein durch vegetarische Nahrung aufgebaut! Das gleiche gilt für Gorillas, die ja auch mehrere hundert Kilo erreichen können: reine Pflanzenfresser! Und so habe ich mir gedacht, das wäre doch eine 1a-Kampagne für vegetarische Ernährung (siehe Zeichnungen, links ist ein Gorilla, rechts ein Pferd). Man sieht das prachtvolle, muskulöse Tier wie es gerade etwas tut, für das man wirklich viel Kraft braucht. Dazu die Headline. Fertig. Keiner wird jemals mehr Fleisch essen.

Picasso

Ein echter Picasso!?

Ich habe in dieser Woche im Fernsehen eine Dokumentation über die Côte d’Azur geschaut. Das traf sich ganz gut, denn in der Gegend werden wir auch einen Teil unserer Ferien verbringen. Was mich etwas verwunderte: In jedem zweiten Ort, auch im Hinterland der Küste, gibt es entweder ein Picasso-Museum, ein Atelier, in dem Picasso mal gearbeitet hat, ein Haus in dem er wohnte, einen Freund, den er mal besuchte, einen Markt, auf dem er immer einkaufte usw. Soweit ich weiß, hat er sich ja zusätzlich in Paris herumgetrieben, in Spanien sowieso. (In Barcelona war ich mal im Picasso-Museum. Dort wurden ausschließlich seine Interpretationen von einem Bild von Velasquez ausgestellt. Das müssen sehr bedeutende Bilder gewesen sein, denn ich habe noch nie irgendwo soviel Wachpersonal gesehen.) Und dann hat er auch noch 50.000 Bilder, Skulpturen, Keramiken usw. erschaffen. Man könnte also sagen, er war recht umtriebig. Dann verwundert es natürlich nicht, dass sein Auto so mitgenommen aussieht.

Mondlandung

© Jörg Scholz 2019

Am kommenden Sonntag ist es 50 Jahre her, dass zum ersten Mal ein Mensch den Mond betreten hat. Saß ich damals auch am Fernseher? Mit einem halben Jahr? Wurde das überhaupt live übertragen? Ich muss mal meine Mutter fragen (links im Bild).

Anleitung für Oma

Ich habe meine 90-jährige Mutter überredet, sich noch mal ein halbwegs aktuelles Smartphone zuzulegen, um so besser mit ihren Kindern und Enkeln kommunizieren zu können. Ich hatte ursprünglich keine Bedenken, dass sie damit zurecht kommt, zumindest was die wichtigsten Funktionen angeht. Sie selbst sieht das anders und hat sich von überall die Bestätigung geholt, dass ein IPhone für eine Seniorin nicht das Richtige ist. Das hat meinen Ehrgeiz zusätzlich angestachelt und meine Tochter (14) und ich haben uns vorgenommen, dass wir Oma das schon beibringen mit der modernen Kommunikation. Man stellt dann relativ schnell fest, dass Dinge, die für unsere Generation selbstverständlich sind (und für die jüngeren Generationen erst recht) für ältere Menschen eine scheinbar unüberwindbare Hürde darstellen. Meine Tochter hat versucht, sich in die Lage eines Senioren hineinzuversetzen und dann für ihre Oma eine IPhone-Anleitung angefertigt. Mal sehen, wie meine Mutter darauf reagiert … In meinen Augen ist das Ergebnis jedenfalls sehr gelungen.

Sesamstraße

Genau wie ich und der Caran d’Ache 849 feiert auch die Sesamstraße in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Es war die erste Fernsehsendung, die ich als Kind sah, vielleicht sogar mein erster Kontakt mit Kultur überhaupt (abgesehen vom Vorlesen) und sie prägte mein ästhetisches Empfinden über Jahre. Hier mein Lieblingssong aus der Sesamstraße, sehr melancholisch, aber wunderschön: Tausendfuß.

Muito obrigado por tudo

Die Musik von João Gilberto hat mich viele Jahre meines Lebens begleitet: beim Autofahren, Träumen, verliebt sein, den ersten Sonnenstrahlen des Frühlings, den ersten fallenden Blättern im Herbst und ganz viel auch beim Arbeiten. Er war ein seltsamer Typ, der sich irgendwann in den 1950er Jahren wochenlang im Haus seiner Schwester eingeschlossen hatte und als er wieder herauskam, hatte er den Bossa Nova erfunden. Komponiert haben die Songs ja andere, er hat sie „nur“ gesungen und dazu Gitarre gespielt. Aber das hat er so behutsam und so freundlich getan, dass das Hören dieser Songs bei mir fast wie Medizin wirkte. Jetzt ist er mit 88 Jahren gestorben. (Die Zeichnung oben ist leider unvollständig. Meine Kugelschreibermine, die ich letzte Woche noch gelobt hatte, ist nun doch versiegt.)

Der Anschubser

Eindeutiger Titel, unmissverständliche Aufforderung …

Es gibt Menschen, die lernen am besten in einem Klassen- oder Seminarraum mit einem Lehrer aus Fleisch und Blut, andere schauen sich gerne Video-Tutorials an. Ich gehöre zu der Sorte, die besonders gut von Büchern lernen können. Wenn mich ein Thema interessiert und ich ein gut gemachtes Buch dazu finden kann, tauche ich in die Materie ein und sauge die neuen Informationen förmlich auf. Im Blog meiner geschätzten Kollegin Gudrun Wegener auf ihrer Website Achtung Designer wurde mir einst Austin Kleon und sein Buch „Alles nur geklaut“ (Steal like an artist) empfohlen (hier die Besprechung von Gudrun). Austin Kleon ist laut eigener Angabe ein „zeichnender Schriftsteller“, verfasst selbst einen beachtenswerten Blog und hat nach „Alles nur geklaut“ noch zwei Bücher zu ähnlichen Themen veröffentlicht. Eins davon hat mich zum Bloggen gebracht und mir klargemacht, dass Social Media nicht nur Lebenszeit verbrennen, sondern auch Spaß machen und nützlich sein kann. „Show your work“ liefert eine Strategie (oder mehrere?), wie man als kreativ schaffender Mensch Beachtung für seine Arbeit findet. 

Das Einfachste heutzutage ist: man nutzt die modernen Medien und ihre entsprechenden Plattformen, um etwas von sich zu zeigen. Wieviel das ist, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Ich bin noch blutiger Anfänger, weiß noch gar nicht, wohin mich mein Blog führen wird, ob er überhaupt eine Zukunft hat, aber das kann ich auf jeden Fall schon sagen: Das Bloggen hat mich ein Stück weiter in den kreativen Flow gebracht, es sorgt dafür, dass ich am Ball bleibe, mit noch offeneren Augen durch die Welt gehe und bewusster arbeite. Und wenn mir eines Tages ein junger Mensch sagen würde, dass meine Beiträge ihn irgendwie inspiriert oder auf eine andere Art weitergebracht haben, würde mich das sehr glücklich machen.

Happy Birthday, altes Gerät!

Mein Modell 849

Bis gestern dachte ich, ich würde mit meinem Kugelschreiber der Marke Caran d’Ache, Modell 849, deswegen so gerne schreiben und zeichnen weil er so gut in der Hand liegt, schön aussieht, saubere Linien produziert, leichtgängig ist und seine Mine niemals zu versiegen scheint. Nun weiß ich, was uns darüber hinaus verbindet: Wir sind beide gleich alt. Und wir beide funktionieren seit vielen Jahren erstaunlich gut und zuverlässig. Allerdings: er ist grau, ich noch nicht. Lass uns auch in Zukunft zusammenarbeiten und noch viele schöne, lustige, interessante Dinge notieren, scribbeln, kritzeln, Modell 849!

P.S.: Viele Menschen und Dinge, die mir etwas bedeuten, werden in diesem Jahr 50. Darüber zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

Auflösung der Preisfrage aus dem letzten Beitrag: Das Licht im zweiten Foto passt überhaupt nicht zur Aussage. Es sieht kalt aus. Das Foto habe ich am Morgen gemacht, als die Sonne noch auf der anderen Seite des Hauses stand.